Der Kreisjägermeister erzählt einen vom Wolf

„Wölfe so groß wie Rotwild“

Nicht etwa in der alkoholgeschwängerten Atmosphäre eines Jägerstammtisches, sondern im Umweltausschuss des Landkreises Celle behauptete der Bauer, Jäger und Kreisjägermeister Knoop, Wölfe so groß wie Rotwild würden mittlerweile in der Lüneburger Heide ihr Unwesen treiben.

Zum Glück war ein echter Fachmann für Biologie in der Sitzung anwesend, der Referent für Großraubtiere beim Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg, der im Nachhinein richtigstellte: Die Schulterhöhe eines Rothirsches liegt zwischen 1,2 und 1,5 Metern, die einer Hirschkuh zwischen 1,0 und 1,2 Metern, die eines europäischen Wolfes zwischen 70 und 80 Zentimetern.

Quelle: https://celleheute.de/woelfe-so-gross-wie-rotwild-ein-maerchen, Anke Schlicht, 24.01.2020 - 12:25


„Jäger sind ‚meldemüde‘“

In den Augen der Jäger ist jeder Wolf ein Wolf zu viel. Ihre Mitbürger sehen das anders: Ein paar Wölfe können wir uns doch leisten.

Deshalb dramatisieren die Jäger die an sich langweiligen Zahlen: Es gibt in Wirklichkeit viel mehr Wölfe, als bekannt ist! Gefahr!

Aber woher weiß man von Wölfen, von denen man nichts weiß?

Kreisjägermeister Knoop (Celle) und sein Kollege aus Soltau hatten einen schlauen Einfall: Jäger würden ständig Massen von Wölfen beobachten, dieses aber nicht melden.

Die Jäger seien müde – meldemüde! Denn für einen Jäger ist die Meldung eines Wolfes gleichbedeutend mit der Erlaubnis zum Abschuss – und die wird immer noch verweigert.

Mit großem Getöse hatte sich die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. (LJN) vor zehn Jahren geradezu aufgedrängt, das Wolfsmonitoring übertragen zu bekommen: Nur wir sind kompetent, nur wir sind ständig vor Ort, wir sehen alles, wir kennen alles usw. usf. Nun merkt man, wie das gemeint war.

Noch eine lustige Kehrtwendung: Um Stimmung für die erneute Ausrottung des Wolfes zu machen, waren sie auf die Behauptung verfallen, aus Angst vor dem Wolf würden keine Touristen mehr in die Lüneburger Heide kommen. Plötzlich heißt es andersherum: „Knoop macht noch einen anderen Grund für die Meldemüdigkeit verantwortlich, den sogenannten Wolfstourismus. […] ‚Das löst unnötig Unruhe im Wald aus.‘“ Also verschweigen die Jäger alles, was Touristen anlocken könnte.

Quelle: Cellesche Zeitung, 12. Jan. 2019


Von Wölfen und Fahrrädern

Nach dem Motto „Was nicht sein kann, nicht sein darf“ haben Jäger messerscharf geschlossen: Der Wolf kann unmöglich auf eigenen Pfoten zurück nach Deutschland gekommen sein.

So machte 2013/2014 die Meldung die Runde, dass es doch nur die verdammten Naturschützer gewesen sind, die Wölfe von Polen nach Deutschland gekarrt und hier ausgesetzt hätten.

„Die aktuelle Ausgabe einer JÄGER-Zeitschrift verbreitet unter dem Titelthema ‚Das Märchen über den Wilden Wolf‘ nach Auffassung der Bundespolizei tatsächlich ein neues Märchen. Entgegen dem in der Zeitschrift behaupteten ‚Tatsachenbericht eines Bundespolizisten, der bestätigt, dass ein LKW an der deutsch-polnischen Grenze gestoppt wurde‘, der ‚auf der Ladefläche mehrere Luchse und Wölfe‘ hatte, hat die Bundespolizeidirektion Berlin keinerlei Hinweise auf eine solche Feststellung. Einen solchen Fall hat es nicht gegeben!
Bereits Mitte Dezember machte diese Geschichte über Isegrim ihre Runde, doch entsprechende Prüfungen ergaben, dass an diesen Gerüchten nichts dran ist. Allerdings gab es Anfang November den Fall, dass Bundespolizisten auf einem weißen VW T4 unter anderem einen ‚Steppenwolf‘ sichergestellt hatten. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen nordamerikanischen Kojoten, sondern um ein Rad des gleichnamigen Fahrradherstellers. Es war eines von 14 Fahrrädern, die als Hehler-Ware nach Osteuropa gebracht werden sollten.“

Aus einer Pressemitteilung der Bundespolizeidirektion Berlin, 27.01.2014 – 15:41 über archive.org: https://web.archive.org/web/20160129222257/https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/70238/2649638


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http://eti-veth.de/schauermaerchen.htm
2020-11-20