Jägerlatein auf dem Prüfstand

Pferd, Jagd und Wild – Dichtung und Wahrheit

Immer mehr Reiter finden Gefallen daran, in der freien Natur zu reiten. Und immer mehr Jäger bevölkern den Wald. Die Konflikte nehmen zu. Es ist an der Zeit, die Märchen, die die Jäger über ihr blutiges Hobby verbreiten, zu überprüfen. Der folgende Artikel beruht auf Erfahrungen im Landkreis Celle (Lüneburger Heide). Ähnlichkeiten mit anderen Gegenden Deutschlands wären rein zufällig.

Das Geschäft mit dem Töten

Jagen ist ein teures Hobby. Nicht nur Waffen und sonstige Ausrüstung sind teuer. Da es siebenmal so viele Jäger wie Reviere gibt, gehen die Jagdpachtpreise in die Höhe. In Spitzenlagen werden um 100 Euro pro Hektar geboten, und ein Jagdrevier muss mindestens 75 ha groß sein. Für Land- und Forstwirte mit eigenem Revier eine attraktive, zum großen Teil unversteuerte Nebeneinnahme.

Aber auch als Revierpächter kann man noch Profit erwirtschaften. Man kann Jagderlaubnisscheine (eine Art von Unterpacht) ausstellen, wobei jeder einzelne so viel Geld einbringen kann, wie das ganze Revier gekostet hat. Man kann eine unbegrenzte Anzahl von zahlenden Jagdgästen einladen. Man kann einen Hochsitz für eine Nacht vermieten. Man kann Wildschwein und Hirsch (um 5000 Euro) einzeln zum Abschuss verkaufen. Man kann sich Freunde unter Landtagsabgeordneten, Geschäftspartnern und anderen "Entscheidungsträgern" schaffen, wenn man sie aus lauter Großzügigkeit kostenlos zur Jagd einlädt.

Besonders geschäftstüchtige Jäger pachten gleich mehrere Reviere bis zur gesetzlich erlaubten Höchstgrenze von zusammen 1000 ha und über Strohmänner noch darüber hinaus. Damit das Geschäft so richtig blühen kann, gibt es in Niedersachsen keine Grenzen mehr, wie viele zahlende Jäger sich in einem Revier tummeln dürfen.

Verständlich, dass man unter den Jägern so viele Geschäftsleute, Rechtsanwälte, Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Offiziere, Politiker und sonstige Besserverdiener findet. Diese kommen aus den Großstädten und sogar aus dem Ausland über Hunderte von Kilometern angereist und haben vor Ort einen Jagdaufseher, ohne den sie das Wild nicht finden würden. Es sind Sonntagsjäger im reinsten Wortsinn.

Zu viel Wild, weil zu viele Jäger

Die Jäger berufen sich gern auf ihren gesetzlichen Auftrag. Der besteht einerseits darin, die Wildbestände so zu begrenzen, dass die Schäden, die das Wild im Wald und auf Äckern und Wiesen anrichtet, gering bleiben. Merkwürdig ist nur, dass sie für ihren Dienst kein Geld einfordern, sondern im Gegenteil dafür noch draufzahlen.

Der andere gesetzliche Auftrag besteht darin, dass die Jäger das Wild nicht nur töten sollen, sondern zugleich durch dessen Hege für einen "artenreichen und gesunden Wildbestand" zu sorgen haben.

In der Praxis vergessen die Jäger den ersten Teil des Auftrags und widmen sich um so mehr dem zweiten Teil:

Rüben unter einem Hochsitz am Rande des NSG Schweinebruch

Rüben unter einem Hochsitz am Rande des NSG Schweinebruch
(weitere Fotos von Futterbergen: NABU Baden-Württemberg, Ökologischer Jagdverein Brandenburg)

Wildschwein am Kartoffelhaufen
Deutsche Jäger-Zeitung Nr. 5, Mai 2000, S. 14
Das Bild stand neben dem Leserbrief eines Jägers, in dem er erzählte, in seinem Revier läge eine halbe Tonne Rüben.

Die Waidmänner betreiben die Verhausschweinung des edlen Hirsches, um immer prächtigere Geweihe zu "ernten". "Berühmt durch seine Fütterungsversuche an Rot- und Rehwild wurde Geheimrat Vogt mit seinem Gatter Schneeberg. Hier wurden durch Kraftfuttergaben besonders starke und endenreiche Geweihe erzielt." (Oberforstmeister Wilhelm Koch, Die Jagd in Vergangenheit und Gegenwart, Kosmos-Verlag 1961, S. 44) Auf Trophäenschauen — "Beweisstücke für die Stärke des überwundenen Gegners" (Koch, S. 30) — präsentieren sie sich stolz die Fortschritte ihrer Zucht- und Mastbemühungen: "Rotwildtrophäen in noch nie dagewesener Qualität erfreuten die Jäger und Jagdkundige an den Stellwänden im Bergener Stadthaus. Selbst über zehn Kilogramm schwere Geweihe waren dort zu sehen." (Cellesche Zeitung (CZ), 3. März 2006, daraus auch das folgende Foto)

"Wie die Tiere aus den Ställen werden auch die wildlebenden Tiere genutzt." (Deutscher Jagdschutzverband e. V. (DJV), Jagd heute, Bonn 1989, S. 54)

"Kälberställe (Abb. 171) sind für die ewig Benachteiligten da: Rotwildkälber und Rehwild." (Text und Bild aus: Jürgen Schulte, Der Jäger. Lehrbuch für die Jägerprüfung, Verlag Eugen Ulmer, 3. Auflage 1998, S. 291 f)

Stallhaltung für Hirsche

 

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Zwar bestimmten die Hegerichtlinien des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums von 1986: "An den Begriff der Notzeit sind strenge Maßstäbe zu legen. Die Wildfütterung sollte stets nur Überbrückung eines Nahrungsengpasses sein und darf nicht dazu dienen, den Wildbestand zu erhöhen", aber die Jagdbehörden dulden die gegenteilige Praxis weitgehend, weil sie selbst nur mit Jägern besetzt sind. Das gilt auch für den anderen Satz: "Um dem Wild die ungestörte Nahrungsaufnahme auf den Wildäsungsflächen zu ermöglichen, sollten diese – soweit die Abschußerfüllung nicht darunter leidet – von der Bejagung ausgenommen werden." Kein Wildacker, an dem nicht mindestens ein Hochsitz steht – sonst wäre der Aufwand doch umsonst!

Die Hegerichtlinien sagten 1971: "Eine weitere Erhöhung des Schwarzwildbestands [Wildschweine] ist nicht vertretbar." Seitdem ist der Bestand explodiert. 15 Jahre später stellten die Hegerichtlinien fest: "Das Schwarzwild hat sich in den zurückliegenden Jahren in zunehmendem Maße ausgebreitet. Ein zu hoher Schwarz­wild­bestand ist nicht vertretbar. Bereitschaft der Jagdrevierinhaber zu großzügigen Wild­schadens­regelungen im Einzelfall darf nicht zur Duldung untragbarer Wilddichten führen." Die Jäger sehen das anders; sie greifen einerseits zum Scheckheft  – aber nur, wenn der Bauer nicht locker lässt – und andererseits zu dem unwaidmännischen Mittel des Elektrozauns, um die Wildschweine von Kartoffel- und Getreideäckern fernzuhalten. Weil die Wildschweine auf der Suche nach Insektenlarven Wiesen zerwühlen, bekämpfen die Jäger lieber die Insekten mit Gift statt der Schweine.

Wildschweinwühlstelle am Hochsitz

Wildschweinwühlstelle: Bauer verärgert, Jäger erfreut
rechts: Elektrozaun an einem Maisacker

Elektrozaun gegen Wildschweine

Je mehr Jäger, desto mehr Wild, denn alle wollen schießen. Die Bestände des Schalenwilds – Rothirsch, Reh, Schwarzwild (Wildschwein) – betragen ein Vielfaches dessen, was von Wissenschaft, Land- und Forstwirtschaft als tragbar angesehen wird. Sie sind weit höher, als es in einer vom Menschen unbeeinflussten Naturlandschaft jemals möglich wäre. Die Jäger jubeln:

"Obwohl in der Bundesrepublik jeden Tag die Fläche eines Bauernhofes von ca. 100 Hektar für Straßen, Fabriken und Bauplätze geopfert wird, gebe es mehr Wild als je zuvor in der Geschichte unseres Vaterlandes." (Bericht über die Jahreshauptversammlung der Rotwild-Hegegemeinschaft Lachtetal, Mitteilungsblatt der Samtgemeinde Lachendorf, Juni 1996, S. 71)
Fleißig gründen sie Rotwild-Hegegemeinschaften, denn sie beklagen, dass auf "nur" 12% der Fläche Deutschlands Hirsche leben; nach ihrer bescheidenen Meinung sollten es 25% sein (CZ, 2. März 2002). Zur Zeit müssen sich 340 000 deutsche Jäger um die 60 000 tote Hirsche teilen. Dabei hat doch jeder Jäger ein unveräußerliches Menschenrecht auf seinen jährlichen Zwölfender. Um einen prächtigen Geweihträger ("reifer Erntehirsch") heranzuhegen, braucht man 70 bis 100 Tiere als Zuchtbasismaterial. In den Hegerichtlinien war zu lesen: "Eine Ausweitung der vorhandenen Rotwildgebiete oder die Gründung neuer ist aus landeskulturellen Gründen nicht vertretbar."

Dazu eine Karte der Deutschen Wildtierstiftung: http://www.rothirsch.org/_downloads_neu/Rotwildverbreitungskarte_LogoButton_1000x700.jpg

In ihrer Verblendung können die Jäger nicht einmal mehr zwischen Natur und Kultur unterscheiden: "Das Rotwild als Kulturgut erhalten!" heißt eine ihrer Forderungen. Das klingt so, als ob die Hirsche vom Aussterben (oder wissenschaftlich verbrämt: von "genetischer Verarmung") bedroht seien. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Im Kreis Celle z. B. haben sich die Abschussergebnisse seit 1940 mehr als versechsfacht, so der damalige Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Dr. Menzel, in seinem Buch "Das Celler Land. Landschaftspflege und Naturschutz", Celle 1988, S. 34.

"Aber diese Entwicklung ist nicht nur für den Landkreis Celle typisch: Seit etwa drei Jahrzehnten können wir in ganz Europa eine fast explosionsartige Ausbreitung des Rotwildes feststellen. Dabei wurde ihm schon vor dem Ersten Weltkrieg das Ende in freier Wildbahn prophezeit." (Menzel, S. 35)

Der Grund der Schwarzmalerei liegt wohl eher darin, "dass das Interesse an der Hirschjagd eine gewaltige Zahlungsbereitschaft auslöst", so Forstdirektor Bartmann aus Rheinland-Pfalz (Die Pirsch/Der Deutsche Jäger, Magazin für Jagd – Wild – Natur, Heft 25/2000, S. 9-12). Menschlich nur allzu verständlich wäre es, wenn staatliche Forstbeamte einen Teil dieser Zahlungsbereitschaft in ihr privates Portemonnaie umleiten würden.

 
Hannoversche Allg. Zeitung (HAZ), 24. April 2006

Hirsche vermehren sich

Barsinghausen: Im Deister leben nach jüngsten Erhebungen etwa 120 Hirsche und damit 40 mehr als noch vor fünf Jahren. Diese Zahlen nannte Frank Nüsser, Geschäftsführer des Rotwild[hege]ringes Großer Deister, beim Jahrestreff. Die Jäger haben in der vergangenen Jagdsaison 28 Tiere erlegt, das sind zwei weniger, als freigegeben waren. Um den Tieren Rückzugsgebiete zu schaffen, sind knapp zehn Prozent des Deisters als Ruhegebiete ausgewiesen, die Menschen nicht betreten dürften. Sorgen bereitet den Waldbesitzern allerdings die zunehmenden Baumschäden, die die Tiere durch Verbiss verursachen.

Also ein Zuwachs von 50% in nur fünf Jahren! Weil der Abschussplan nicht eingehalten wurde, der wahrscheinlich sowieso zu niedrig angesetzt war.
Wozu brauchen die Tiere Ruhegebiete? Dürfen Jäger die Ruhegebiete betreten? Dürfen Jäger in den Ruhegebieten Tiere töten?

Um letzte Zweifel daran zu beseitigen, dass das Wild in Deutschlands Wäldern Nutzvieh ist, heißt es in der Begründung zum niedersächsischen Jagdgesetz:

Die Jagd ist "vor allem die Wildbewirtschaftung, also ein Wirtschaftszweig der Land- und Forstwirtschaft mit eigener Nutzung." (Nds. Landtag, Drucksache 14/1965, November 2000)
Vor dieser postmodernen Neudefinition der Jagd erscheint das Folgende als hoffnungslos veraltet:

"Der Ertrag der Ernten wird sehr oft durch Thiere empfindlich geschädigt und es ist wichtig und nothwendig, diese Feinde zu kennen, um ihnen erfolgreich entgegen treten zu können. Unter den vierfüßigen Thieren thut das Wild – Hirsche, Rehe, Hasen, Sauen [Wildschweine] – vielen Schaden, besonders in der Nähe von Waldungen; Scheuchen, Umdornen der Bäume, Hütung, Bestreichen von Pfählen mit starkriechenden Salben helfen nur wenig, wenn eine unvernünftige Hegung das Vergnügen des Einzelnen über das Bedürfnis des Ganzen setzt." (Dr. Wilhelm Hamm, Das Ganze der Landwirthschaft, Leipzig 1872, S. 132)

Streckenergebnisse BRD 1960 – 1991

in relativen Größen (1968 = 100%)
Wild, mehr Wild, noch mehr Wild
Quelle: DJV-Handbuch 1993. In derselben Zeit verdoppelte sich die Zahl der Jäger fast. Zur Kontrolle die absoluten Zahlen (alte Bundesländer):
Jahr
1960
1968
1991
Damwild
k. A.
6 674
15 576
Rehwild
540 213
572 020
772 419
Rotwild
24 011
26 768
29 517
Schwarzwild
16 984
23 897
175 469

 

Wilddichte in den Alpen – Schätzungen

Quelle: Wald und Wild, Seminar des internationalen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten vom 28.8. bis 2.9.1972 in Zürich. Beiheft zu den Zeitschriften des Schweizerischen Forstvereins Nr. 52/1973, Hg.: Institut für Waldbau der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich
Tiere auf 100 ha
Rotwild
Rotwild
Rehwild
Jahr
Oberbayern
Österreich
Österreich
Naturzustand
0,5 - 1,0
0,75
1 - 2
1860
1 - 1,5
1
3 - 5
1910
2 - 4
2
5 - 8
1970
3 - 6
4
10 - 15
Um 1900 hatten die Jäger alle großen Raubtiere ausgerottet und begannen mit der Fütterung des Schalenwildes.

"Denn darüber muß sich jeder Jäger klar sein, im Urzustand, also dort, wo der Mensch das Leben in der Natur nicht beeinflußt hat, sind nur geringe Wildstände vorhanden. Raubwild und harte Winter, die nicht durch künstliche Fütterung gemildert wurden, sorgten dafür, daß keine Massenvermehrung eintrat." (Raesfeld/Frevert, Das Deutsche Waidwerk, Parey-Verlag, 7. Auflage 1955, S. 424)

Im selben Buch wird – schon vor 50 Jahren – von einer starken Zunahme der Wildschweine berichtet:

"Das Schwarzwild hat sich nach dem letzten Kriege sehr stark vermehrt. Die Waffenlosigkeit der deutschen Jäger [auch diese aufrechten Deutschen mussten nach dem verlorenen 2. Weltkrieg die Waffen abgeben], mehrere milde Winter und Mastjahre bewirkten, daß Schwarzwild in Gebieten auftrat, in denen seit vielen Jahrzehnten diese Wildart fast unbekannt war. Die Schäden an landwirtschaftlichen Erzeugnissen stiegen ins Unerträgliche. Die geradezu feindselige Einstellung weiter Bevölkerungskreise gegen die gesamte Jagd ist in erster Linie auf diese übergroßen Schwarzwildschäden zurückzuführen. Die Wiederbewaffnung der Jägerei und einige schneereiche Winter werden aber sehr bald die im Interesse der Landwirtschaft notwendige Verminderung der Bestände herbeiführen […]" (S. 30) – die Jäger wollten es anders:

"Diese Reduzierung der Zahl hat jedoch dort ihre Grenzen, wo die Möglichkeit der Bejagung aufhört, die Jagd wegen der Seltenheit des Wildes für den durchschnittlichen Jäger jeden Reiz verliert." (Koch, S. 47)

Naturschutz nach Jägerart: Töten, um zu schützen

Die Jäger nennen sich Naturschützer. Ständig führen sie ihre gesetzliche Verpflichtung, durch die Hege des Wildes für einen "artenreichen und gesunden Wildbestand" (Bundesjagdgesetz § 1) zu sorgen, im Munde. Die Hälfte der jagbaren Tierarten ist jedoch ausgestorben oder vom Aussterben bedroht (z. B. Elch, Wisent, Luchs, Wildkatze, Auer-, Birk-, Haselhuhn, Großtrappe, Adler, Falken), und das nach hundert Jahren waidmännischer Hege. So gesehen haben sie vollständig versagt.

Ein Beispiel: Hase und Rebhuhn werden immer seltener. Das ist in diesem Fall nicht allein Schuld der Jäger, sondern auch der profitorientierten Landwirtschaft mit Flurbereinigung (sog. Agrarsteppe oder maschinengerechte Landschaft), Monokultur und Chemieeinsatz, die selbstverständlich auch von den 15% der Jäger betrieben wird, die Landwirte sind. Als diskutiert wurde, Hase und Rebhuhn auf die Rote Liste der gefährdeten Arten zu setzen, sagte der damalige Landwirtschaftsminister und Jäger Dr. Funke (SPD): "Das, was auf die Rote Liste kommt, ist willkürlich. Und wenn dort etwas drauf ist, kommt es nie wieder runter." (CZ, 11. Mai 1998). Funke war jener Bundeslandwirtschaftsminister, der bis zu seinem Rücktritt behauptete, Deutschland sei frei von BSE.

2001 hat sich die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) freiwillig verpflichtet, dort keine Waldschnepfen zu schießen, wo sowieso keine mehr sind – aber nur bis 2006. (ausführlich: Wie Jäger Rebhuhn und Schnepfe hegen.)

Und noch ein Ergebnis erfolgreicher Hege: "Auch die Kaninchenvorkommen seien bis auf wenige Reste verschwunden", hieß es auf der Trophäenschau 2005 für den Kreis Celle (CZ, 8. März 2005). Halb so schlimm: "Vor allem in den urbanen Bereichen findet es [das Kaninchen] noch Rückzugsgebiete und kommt somit [!] noch fast flächendeckend in Niedersachsen vor." (Nds. Landesjagdbericht 2004, S. 37)

"Erfreulich gestaltete sich die Entwicklung der Jagdstrecken von Wildkaninchen" (S. 82). "Jede Form der Nutzung von Wildtieren erfolgt im Rahmen der Nachhaltigkeit" (S. 114). "Das Verbot des Aussetzens von Wildkaninchen sollte heute durchaus kritisch hinterfragt werden" (S. 121). "Diese Art ist vielfach ausgestorben oder vom Aussterben bedroht und eigentlich müsste darauf reagiert werden." (ebd.) Die niedersächsischen Jäger töteten im Jagdjahr 2007/2008 40 000 Kaninchen. Damit das fröhliche Töten weitergehen kann, fordern sie, das Bundesjagdgesetz zu ändern, das das Aussetzen von Kaninchen verbietet.

(Bild und Text aus dem nds. Jagdbericht 2007)

Der Fuchs

In den Raubtieren sehen die Jäger Konkurrenten und verfolgen sie als "Raubzeug" ohne Gnade. Der Fuchs, das größte Raubtier, das die Ausrottungsversuche der Jäger überlebt hat, wird mit besonderem Hass verfolgt.

"Er frißt das, was sich gerade anbietet und was er mit geringem Aufwand erbeuten kann. So steht nicht etwa die im Kinderlied besungene (gelegentlich) gestohlene Gans auf Reinekes täglichem Speiseplan an oberster Stelle, sondern – was auch manchen gestandenen Weidmann überraschen mag – der Regenwurm." (Leyendecker, Jäger und Gejagte, in: Kurt G. Blüchel (Hg.), Die Jagd, Könemann-Verlag 2004, S. 22)

Ansonsten frisst der Fuchs hauptsächlich Mäuse und Aas, im Herbst auch Obst.

"Der Fuchs galt lange als ganz gefährlicher Feind der Niederjagd, und man verfolgte ihn mit allen Mitteln, wobei selbst vor Gift nicht zurückgeschreckt wurde. Wir sehen heute im Fuchs mehr die Sanitätspolizei des Reviers. Wie jede Kreatur im Haushalt der Natur ihre Aufgabe zu erfüllen hat, so auch der Fuchs. Daß ein Fuchs trotzdem in gut besetzten Niederjagden großen Schaden tut, daß er in Fasanenrevieren nicht geduldet werden kann, liegt auf der Hand. Man darf hier ruhig einen Vernichtungskrieg gegen ihn führen." (Raesfeld/Frevert, S. 48)

So veranstalten sie immer wieder "Fuchswochen" wie im Kreis Kempten, wo 80 Jäger in einer Woche des Januars 2003 304 Füchse töteten und in der Tierkörperbeseitigungsanstalt verbrennen ließen. Der DJV empfahl bis 1997, auch Igel zu töten, weil sie Fasanennester plündern. Dass Wildschweine dasselbe tun, steht auf einem anderen Blatt.

Der Wolf

"Darf man einen Wolf schießen, den man im Revier antrifft? Ja. Er gehört nicht zum Wild und ist völlig ungeschützt. Man denke an die Tollwutgefahr!" (Blase/Pettinger, Die Jägerprüfung in Frage und Antwort, 24. Aufl. 1988, S. 264)
1 Wolf auf 100 000 km² – Tollwutgefahr! Dass der "völlig ungeschützte" Wolf durch Tier- und Naturschutzgesetze und das internationale Artenschutzabkommen geschützt ist, ist den Jägern scheißegal.

Vor einigen Jahren wurde bei Göttingen häufiger eine Wölfin gesichtet. Die Medien berichteten darüber, die Wölfin bekam den Namen Bärbel oder Puck. Ein Jäger erschoss sie aus 15 m Entfernung. Er sagte, dass er sie für einen wildernden Hund gehalten und sich von dem Hund-Wolf bedroht gefühlt habe. In Leserbriefen zu der Wolfstötung, die in der Öffentlichkeit hohe Wellen schlug, machten Jäger keinen Hehl aus den wahren Beweggründen:

"Warum sollten gerade Jagdpächter in über möglicherweise Jahrzehnten gehegten Revieren ein Wolfsrudel dulden, das gegebenenfalls innerhalb kürzester Zeit dafür sorgt, dass die Reviere wildleer sind?" - "Was für ein Gejohle und Geheule um den Tod eines kranken, in unserer zersiedelten Landschaft nicht überlebensfähigen Wolfes." - "Seit 1990 ist es jetzt der siebte Wolf, der in Deutschland illegal von Jägern geschossen wurde." (Wild und Hund, Heft 7/2003, S. 64-66)

Sie fürchten, dass durch einen Wolf "die Jagdgründe finanziell weniger einträglich werden" (HAZ, 2. Apr. 2008). "Wer für eine Jagd mit Brunftplatz eine Million Euro gezahlt habe und nun sehe, dass das Wild ausbleibe", für den liege der Abschuss des Wolfes nahe, sagt der Geschäftsführer der LJN (CZ, 16. April 2008).

Der Uhu und andere Raubvögel

"Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Uhu systematisch verfolgt: Er wurde geschossen und gefangen, und an den Nistplätzen wurden gezielt Eier und Jungvögel ausgenommen. Das setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort. Schließlich wurde 1937 das Weibchen vom letzten Uhupaar in Niedersachsen bei Osterrode im Harz geschossen. Damit war der 'König der Nacht' als Brutvogel ausgestorben, wenngleich das zugehörige Männchen noch bis 1965 allein weiterlebte." (Land & Forst, hg. von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Heft 4/2005)

"Die Raubwildbekämpfung darf auf keinen Fall zur Ausrottung einzelner Tierarten, zur Raubwildvertilgung führen, wie es früher der Fall war. Mit fanatischem Haß verfolgten die Jäger alle Geschöpfe, die nun einmal von Natur aus sich hauptsächlich vom Fang des Wildes nähren müssen. Bei dieser Einstellung war es kein Wunder, daß unsere stolzesten Vögel: Adler, Uhu, Schwarzstorch, nur noch in einigen wenigen Exemplaren in deutschen Revieren vorkamen." (Hermann Schulze, Der waidgerechte Jäger, Parey-Verlag, 10. Auflage 1951, S. 84) "In den 80er Jahren verhinderte in Nordrhein-Westfalen ein Jagdausübungsberechtigter ein vom Bundesland unterstütztes Wiederansiedlungsprojekt des in den 60er Jahren dort ausgestorbenen Uhus, weil dieser sich negativ auf den Niederwildbestand und damit die Jagdstrecke des Jagdausübungsberechtigten hätte auswirken können." (Ditscherlein, Natur und Recht, 2003, S. 534)

"Flächendeckendes Engagement der Jäger im Biotop- und Artenschutz" (DJV)

"Weil wir uns dem Naturschutz besonders verpflichtet fühlen, ja, weil er uns eine Herzensangelegenheit ist", so der Präsident der LJN (CZ, 24. Dez. 1999), haben sie im Rahmen ihrer "Aktion Biotopschutz" 154 verschiedene, handtuchgroße Flächen von zusammen knapp 5 km² aufgekauft (Nds. Landesjagdbericht 2003, S. 63). Darauf sind sie mächtig stolz. Zum Vergleich: Das Land Niedersachsen umfasst 47 614 km², davon sind 2506 km² vom Staat zu Naturschutzgebieten erklärt. Der private Verein Naturschutzpark besitzt und pflegt 77,5 km² geschützte Heideflächen rund um den Wilseder Berg, wo ein Viertel aller Birkhühner Niedersachsens lebt (siehe auch: Pferde retten das Birkhuhn). Und wenn der Landesjagdbericht 2008 meldet, dass die Zahl der staatlichen Landschaftsschutzgebiete um 34 zurückgegangen ist, dann liest man kein Wort des Protestes.

Das Anlegen von künstlichen Wildäckern, auf denen auch Dünger gestreut und Herbizide gespritzt werden wie auf normalen Äckern, nennen sie Biotoppflege. Denn "Wildacker ist kein 'wilder' Acker", sagt die Deutsche Saatveredelung AG und bietet deshalb fertige Saatmischungen wie "Kohlmenue" oder "Wildackereintopf" für das wählerische Wild an und gibt auch Tipps für die richtige Düngung, um die alte Jägerweisheit außer Kraft zu setzen: "Auf Lehmböden wachsen bessere Gehörne als auf Sand- oder Moorböden." (Blase/Pettinger, S. 171)

 

Wildäcker: Mit Bioziden zu einer artenreichen Vegetation

"Zur ökologischen Bedeutung von Wildäckern in Feldrevieren […] 40% der Wildäcker erfüllen eine bedeutsame ökologische Funktion, indem sie Standorte seltener Pflanzenarten und einer artenreichen Vegetation darstellen. […] Aufgrund des fehlenden Ertragszwanges ließe sich die Wohlfahrtswirkung von Wildäckern noch ausschöpfen, […] Dies ist möglich durch die Kombination von (a) geringem Düngungsniveau, (b) professioneller Saatbettvorbereitung, gegebenenfalls unter Einsatz von Bioziden […]" (Niedersächsischer Landesjagdbericht 2004, S. 82)

Stellenweise wird das Futter für das Wild – Kartoffeln, Rüben usw. – gleich tonnenweise unter die Hochsitze gekippt. Verfault es dann, entsteht eine stinkende Brühe, die das Grundwasser gefährdet. Und das auch im Wasserschutzgebiet.

Die Jäger zählen gern die Bäume und Büsche, die sie – aus lauter Naturliebe und im Dienst an der Allgemeinheit – pflanzen. Warum sie dafür einen Jagdschein brauchen, verraten sie nicht. Wenn sie ihnen im Schussfeld stehen, sägen sie sie ab, um Schussschneisen anzulegen. Das Propaganda-Geschrei um die Pflanzaktionen verhält sich umgekehrt proportional zu den Taten:

"Im Bereich Naturschutz wurde bedauernd festgestellt, dass Anpflanzungen von Hecken und Hegebüschen rückläufig sind, obwohl es weiterhin finanzielle Unterstützung durch die Landesjägerschaft und der [die?] Jägerschaft Celle gibt. Nicht rückläufig dagegen ist die Anzahl der aktiven Jagdhornbläser […]." (CZ, 12. März 2008, über den Hegering Flotwedel)

Jäger und land- und forstwirtschaftliche Grundeigentümer sind zwar spätestens seit dem Reichsjagdgesetz von 1934 dazu verpflichtet, die Lebensgrundlagen des Wildes zu erhalten; als aber die rot-grüne Koalitionsregierung das Jagdrecht reformieren und diese längst bestehende Pflicht verbindlicher gestalten wollte, jammerte der Vorsitzende des DJV, der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Borchert:

"Grundeigentümer und Jäger sollen zur Erhaltung und Verbesserung von Lebensräumen gesetzlich verpflichtet werden. Hier befürchtet Borchert zusätzliche Belastungen insbesondere für Landwirte." (CZ, 5. Juni 2004) Borchert hatte sich schon 1995 ein Denkmal gesetzt, als er auf einer Jagdeinladung in Spanien einen vom Aussterben bedrohten Steinbock (Capra pyrenaica victoriae) erlegte, wofür die spanischen Jagdbehörden damals normalerweise eine Gebühr von 60000 DM verlangten. Wenigstens musste er diesen geldwerten Vorteil beim deutschen Finanzamt nachversteuern (Spiegel 34/1996).

Dieselbe Lobby hatte schon erfolgreich verhindert, dass in die Neufassung des Bundesnaturschutzgesetzes 2002 eine Verpflichtung zum Pflanzen von Hecken aufgenommen wurde. Andererseits ruft der Präsident der LJN neuerdings nach gesetzlichem Zwang, weil Bauern immer weniger Flächen - möglichst kostenlos - für die der Jagd förderlichen Buschanpflanzungen (Hegebüsche) zur Verfügung stellen würden (Land & Forst 25/2008, S. 52). Der niedersächsische Staatssekretär und Jäger Ripke gibt durchaus zu, "dass das Niederwild [z. B. Hase und Rebhuhn] unter der intensiven Landbewirtschaftung leide. Es sei falsch verstandener Naturschutz, wenn nichts gegen die viel zu große Zahl von Beutegreifern unternommen werde." (CZ, 6. März 2006) Richtig verstandener Naturschutz dagegen ist es, die Natur immer weiter zu zerstören und dafür Füchse, Dachse, Marder und Raubvögel ganz besonders büßen zu lassen. "Der Vernichtungskrieg gegen das Raubwild hatte seinen Grund in der irrtümlichen Meinung, diese Tiere seien allein an dem Rückgang der Jagden schuld. Die wirklichen Gründe: naßkaltes Frühjahrswetter, intensive Bodenbearbeitung, starker Abschuß u. dgl. wollte man nicht gelten lassen." (Hermann Schulze, S. 84) In sechzig Jahren nichts dazu gelernt!

"Deutschland wird voraussichtlich das EU-Ziel verfehlen, das Artensterben bis 2010 zu stoppen", gibt das Bundesamt für Naturschutz bekannt (Süddt. Zeitung, 7. Okt. 2009). "Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke hat sich im Zusammenhang mit den bekanntgewordenen Verstößen gegen den Tierschutz in der Geflügelzucht bei Marktführer Wiesenhof hinter den Bau neuer Hähnchenmastställe gestellt." (Cuxhavener Nachrichten, 26. Jan. 2010)

Im Naturschutzgebiet Schweinebruch pflanzte ein Jäger und Landwirt unter einen alten Erlenbestand standortfremde Fichten. Ihm sind die Erlen zu licht; er will mehr Wild in sein Revier locken, indem er ihm mehr Deckung bietet. Das Verbot, Pflanzenschutzmittel im Naturschutzgebiet anzuwenden, bekümmert ihn nicht. Er kippt auch Bauschutt dort ab. Ein anderer rodete Wald für einen neuen Wildacker nebst Hochsitz. Die Naturschutzbehörde hat zum Schutz von Schwarzstorch und Kranich Wege gesperrt; die Jäger dürfen weiter im Naturschutzgebiet querfeldein herumfahren, -trampeln und -ballern. Die Behörde duldet es, dass trotz Verbots immer neue Hochsitze, Wildäcker und Futterstellen eingerichtet werden. Auch Forstarbeiten in unmittelbarer Nähe des brütenden Schwarzstorches werden geduldet.

Naturschutzgebiete sind jagdliche Leckerbissen. Dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) handelte der damalige Präsident des DJV, Baron Heereman, die Anerkennung der "Jagd als traditionelle Form der Landnutzung nach den Grundsätzen moderner [Futterautomaten?], naturverträglicher Wildhege" ab. Sogar in Natur- und anderen Schutzgebieten könne die Jagd eine "legitime Form der Landnutzung" sein, sofern sie dem Schutzziel des Gebietes nicht zuwiderlaufe. Dafür stimmte Heereman einer gewissen Selbstbeschränkung der Jagd zu: "Störungen von Brutgebieten, Rast- und Überwinterungsgemeinschaften, insbesondere von Wat- und Wasservögeln, sei es durch sportliche Aktivitäten oder [?] Jagd, sind grundsätzlich zu vermeiden" (gemeinsame Erklärung von DJV und NABU, 7. März 1998).

Unter den Jägern hätte es fast einen Aufstand gegeben. Heereman wurde ein Verräter genannt. Dabei haben die Jäger doch im NABU einen Bündnispartner gegen die "zunehmend unkontrollierten Freizeit-Sportarten" des gewöhnlichen Volkes.

Naturschützern, die in den Jägern Bündnispartner sehen, antwortet einer, der sogar den Preis für Öffentlichkeitsarbeit des DJV 1988 erhielt, dass sie sich "bestenfalls als Autodidakten für die Umwelt einsetzen" (Goede Gendrich, Jagen: Verantwortung oder Lust am Töten?, Neumann-Neudamm 1990, S. 97):

"Unbestreitbar bleibt, daß die Jäger auf Grund der ihnen gesetzlich vorgeschriebenen intensiven Ausbildung einen Fundus an Wissen in der Hege des Wildes und der Erhaltung seiner Lebensgrundlagen mitbringen, wie ihn zwangsläufig zumeist nur laienhaft vorgebildete Naturschützer nicht aufzuweisen vermögen." (S. 99) "Vermeintlich der Information dienende Lehrwanderungen dieses oder jenes Naturschutzverbandes […] vermeintlich wissenschaftliches Interesse nur ein Vorwand für die Befriedigung persönlicher Neugier" (S. 96)

Juristen sehen manchmal klarer als Naturschützer:

"Die Jagd ist in Naturschutzgebieten kraft des absoluten gesetzlichen Veränderungsverbots untersagt, weil die Tötung wildlebender Tiere die Voraussetzung des Tatbestandsmerkmals 'zerstören oder beschädigen einzelner Bestandteile' erfüllt und das Betretungsverbot nach Abs. 2 Satz 2 eine ordnungsgemäße Jagdausübung nicht zuläßt." Eine ausnahmsweise Erlaubnis der Jagd dürfe nur differenziert erteilt werden, z. B. nur bezogen auf einzelne Tierarten oder Jahreszeiten. (Blum, Agena, Franke, Kommentar zum Niedersächsischen Naturschutzgesetz, § 24)
§ 24 Absatz 2 des niedersächsischen Naturschutzgesetzes lautet (ähnliche Paragrafen gibt es in allen Bundesländern):
"Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die das Naturschutzgebiet oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern. Das Naturschutzgebiet darf außerhalb der Wege nicht betreten werden. Sofern der Schutzzweck es erfordert oder erlaubt, kann die Verordnung Abweichungen von den Sätzen 1 und 2 zulassen."
"Vor allem die Jäger haben ihr Herz für den Naturschutz nur entdeckt, um in Ruhe jagen zu können."
Wilhelm Bode, Jäger vom alternativen Ökologischen Jagdverband (ÖJV), Spiegel 34/1997

 

verbotener Hochsitz im Naturschutzgebiet Schweinebruch

verbotener Hochsitz und verbotener Futterberg im Naturschutzgebiet Schweinebruch

noch ein verbotener Hochsitz im Naturschutzgebiet Schweinebruch

NSG Schweinebruch: Naturschutz, wie ihn die Jäger lieben

Verbotene neue Hochsitze mit verbotenem Futterberg (Zuckerrüben). Seit Gründung des NSG wurden mindestens drei Dutzend Hochsitze illegal neu erbaut, der Hochsitz links im Mai 2006, also in der Setz- und Brutzeit der Tiere, wenn diese ihren Nachwuchs aufziehen und deshalb besonders empfindlich gegen Störungen sind. Die Jägerpropaganda bezeichnet dann die Natur als "Kinderstube des Wildes", was die Jäger nicht daran hindert, in selbiger herumzutrampeln, um Rehböcke zu töten. Einige hundert Meter von hier entfernt brütet in dieser Zeit auch ein Schwarzstorch, die heilige Kuh der Naturschützer. Die Naturschutzbehörde hat ihm zuliebe bei Strafe von 10 000 Euro das Spazierengehen, aber nicht das Jagen verboten. Zum Aussterben des Schwarzstorchs sagt Grzimeks Tierleben (hg. Bernhard Grzimek u. a.), Siebter Band, Vögel 1, Zürich 1968: "Leider gehen die Verluste zu einem nicht geringen Teil auf Abschuß zurück." (S. 226) Bis 1976 stand der Schwarzstorch auf der Liste der jagbaren Tierarten und hätte also gehegt werden müssen.
In der Brut- und Setzzeit 2008 wurde der Hochsitz in ein jägertypisches Grün umgepinselt.

Auf der Insel Borkum, die im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegt, setzten die Jäger die Nationalparkverwaltung erfolgreich unter Druck, als diese die bestehenden Vogelschutzgebiete ausdehnen wollte.

"Am Elbufer bei Tangermünde waren die Vogelschützer [Komitee gegen den Vogelmord] dabei, als letztes Jahr Jäger verbotenerweise bei Nacht den Fluss ableuchteten und die Gänse mit Scheinwerfern hochtrieben. […] Anzeigen, von Mitgliedern der Vereinigung erstattet, verlaufen oft im Sande: Zwar sind meist mehrere hundert Meter Abstand zum Schutzgebiet vorgeschrieben. Doch 'unter den ermittelnden Polizisten sind auch Jäger'. Sogar einer, der mitten im Schutzgebiet schoss […], habe sich als Polizist entpuppt." (Spiegel 44/2001, S. 208f)

Rabenkrähen und Elstern

Ab dem Jahr 1987 musste die BRD, gezwungen durch eine EG-Richtlinie, die Jagd auf diese Vögel verbieten. Später haben es die Jäger jedoch in vielen Bundesländern, trotz Protesten von Naturschützern (vgl. http://www.rabenvoegel.de ), durchgesetzt, dass sie wieder Elstern, die in der freien Landschaft kaum noch vorkommen, und Rabenkrähen töten dürfen mit der Begründung, diese Tiere richteten großen Schaden an. Wie wäre es, auch Ratten und Mäuse in die Liste der jagbaren Tiere aufzunehmen? Aber nein: "Jäger lassen sich nicht zu Schädlingsbekämpfern degradieren" (DJV), sondern wollen immer auch für genügend Nachschub von Schädlingen sorgen, sofern sie Trophäen tragen!

Ab Anfang 2004 fand in Ostfriesland eine groß angelegte, auf drei Jahre geplante Massentötung von Krähen statt, die als wissenschaftliches Forschungsprojekt ausgegeben wurde, mit 64 000 Euro subventioniert vom damaligen Landwirtschaftsminister Ehlen, wissenschaftlich geleitet von Prof. Pohlmeyer (Tiermedizinische Hochschule Hannover), damals Vorsitzender der Landesjägerschaft. Die Jäger töteten Massen von Krähen, zu deren Hege sie doch auch verpflichtet sind, in der Hoffnung, danach ein paar mehr Hasen, Fasane und Rebhühner töten zu können.

"Die Vögel werden in Fallen lebend gefangen und dann erschlagen. Bei der ersten Aktion wurden auf diese Weise laut Hilbrands [Kreisjägermeister] im gesamten Landkreis Leer rund 2700 Rabenkrähen getötet. Sie wurde Anfang April mit dem Beginn der Brut- und Setzzeit, die an diesem Samstag wieder endet, abgeschlossen.
'Das Projekt muss jetzt fortgesetzt werden, damit die ersten Tötungen nicht umsonst gewesen sind', sagte Landkreissprecher Buscher. Er und Hilbrands wiesen darauf hin, dass die Bezirksregierung Weser-Ems das Projekt überprüft und für rechtlich einwandfrei befunden habe. 'Es ist nicht schön, aber so weit rechtlich in Ordnung', bestätigte die Sprecherin der Bezirksregierung, Herma Heyken. Allerdings sei die Auflage gemacht worden, dass besonders schützenswerte Vögel, die ebenfalls in die Fallen gegangen sind, wieder freigelassen und nicht wie die Krähen getötet werden."
(Emder Zeitung, 10. August 2004) Folgende geschützte Vögel, die die Jäger ebenfalls hassen, wurden auch in den Fallen gefangen: Saatkrähen, Dohlen, Bussarde, Eulen, Habichte, Falken.

Ende 2005 fiel die Tiermedizinische Hochschule ihrem eigenen Professor in den Rücken: Das Projekt sei "nicht mehr sinnvoll und wissenschaftlich begründbar" (Land & Forst, 15. Dez. 2005). Ehlen bedauerte das vorzeitige Ende des Projekts. 12 000 Krähen waren getötet worden.

Die Jäger scheinen nicht lernfähig zu sein, weil schon in der 90er Jahren ein vergleichbares Projekt im Saarland mit dem Versuch der Ausrottung von Rabenvögeln und sonstigem "Raubzeug" ergeben hatte,
"dass auch nach sechs Jahren des 'Totalabschusses' von Füchsen, Dachsen, Mardern, Wieseln, Krähen, Elstern und Eichelhähern keine Steigerung des Niederwildbestandes [z. B. Hasen, Rebhühner, Fasane] zu erzielen war." Ursache für die Rückgänge beim Niederwild seien Flurbereinigungen und Überdüngung durch die moderne Landwirtschaft. (Prof. Reichholf, Der Bär ist los, Herbig, 2007, S. 123)
Auch die Naturschützer, die mit den Jägern gemeinsame Sache gemacht hatten, erreichten nichts:
"Andererseits blieb offen, ob die Vernichtung von 2242 Rabenkrähen, Elstern und Eichelhähern auf nur 700 Hektar und 174 Hermelinen dazu den Singvögeln zugutegekommen ist. Wolle man den günstigsten Fall von vier der seltenen Braunkehlchen-Brutpaare als Erfolg der Massenvernichtung werten, käme ein Aufwand von 600 Getöteten pro Braunkehlchenpaar zustande. Dessen Überleben lässt sich mit so einer Vorgehensweise auf keinen Fall sichern." (Prof. Reichholf, Rabenschwarze Intelligenz, Herbig, 5. Aufl. 2009, S. 112)

In der bäuerlich-ländlichen Bevölkerung kursiert noch mancherlei Aberglauben über die Krähen; man dichtet ihnen u. a. an, Lämmer zu töten, was völliger Unsinn ist und eher auf das Konto von Hunden (einschließlich Jagdhunden) geht (http://www.rabenvoegel.de/laemmer.htm).

Der Kormoran

Der Kormoran war in Niedersachsen um 1958 nahezu ausgerottet worden, weil er sich von Fischen ernährt. Er ist heute auf der Roten Liste (Vorwarnliste) als gefährdete Tierart eingestuft. Obwohl er durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt ist und nicht zu den jagbaren Tierarten gehört, dürfen ihn heute wieder Jäger töten. 600 Brutpaare im niedersächsischen Binnenland sind einfach zu viel für das große "Land mit Weitblick".

Wie bei den Rabenvögeln gibt es zwar das Problem "der aufwendigen Nachweisbarkeit und Quantifizierung der tatsächlichen Schäden – wissenschaftlich methodisch und hinsichtlich der Finanzierung […]. Es ist jedoch müßig, weiter darüber zu diskutieren, wieviel Pfund oder Kilogramm Fisch ein Kormoran durchschnittlich pro Tag oder Jahr frisst. Denn es ist mittlerweile mehr als ausreichend gesichert, dass die Schäden des Kormorans an fischereiwirtschaftlichen Betrieben (Teichwirtschaft!) sowie am Fischbesatz diverser freier Gewässersysteme sehr hoch sind beziehungsweise [!] sein können." (Wild und Hund 16/2003, S. 25)
Unzufrieden sind die Jäger allerdings damit, dass in Niedersachsen nicht nur sie, sondern auch die Fischer selbst den Vogel töten dürfen (ebd., S. 27). Die Fischer dürfen sogar die Nester im Umkreis von 10 km um ihre Fischteiche zerstören. Seeadler könnten die Kormorane in Schach halten, hätten Fischer und Jäger sie nicht ausgerottet (Beispiel aus Mecklenburg vom ÖJV).

Ein Fischer aus Emden, der im Steinhuder Meer (das liegt etwa 200 km entfernt) Fische fängt, versuchte, vor dem Verwaltungsgericht eine Sondergenehmigung für den Abschuss von Kormoranen zu erstreiten. Das Steinhuder Meer ist jedoch nach der Vogelschutzrichtlinie ein Gebiet, in dem Zugvögel wie die Kormorane einen besonderen Schutz genießen. Das Gericht wies die Klage ab. Der Fischer hatte behauptet, die Kormorane würden seine Existenz gefährden, hatte aber dennoch am Tag vor dem Urteil den Fischerei-Pachtvertrag verlängert (HAZ, 28. April 2010).

Gänse

"In Niedersachsen dürfen nach den Worten von Bergmann [NABU Ostfriesland] derzeit nur Graugänse gejagt werden und auch nur bis Januar. Die Tiere seien schlau und brächten sich in dieser Zeit meist in den Niederlanden in Sicherheit [wo die Jagd auf Gänse verboten ist]. 'Allerdings plant das [niedersächsische] Landwirtschaftsministerium, das bisherige Jagdgesetz zu reformieren und auch Saat-, Ringel- und Blässgänse zum Abschuss freizugeben - das wäre eine Katastrophe', unterstreicht Bergmann. […] Mit ihren Schrotladungen verletzen die Jäger die Tiere nicht sofort tödlich, so dass viele später qualvoll verendeten. Außerdem habe eine Studie in den Niederlanden gezeigt, dass gejagte Gänse größeren Schaden auf landwirtschaftlichen Flächen anrichten. 'Sie werden schneller nervös und fliegen auf - dadurch verbrauchen sie mehr Energie und benötigen mehr Futter.' " (CZ, 23. Feb. 2008)

Seit 2008 dürfen in Niedersachsen auch Saat- und Blässgänse (wieder) getötet werden, Ringelgänse jedoch nicht. Im Kreis Celle dürfen "ausgewählte Jäger" Graugänse sogar in der Brutzeit töten, "wenn sichergestellt sei, dass es sich um Gänse handelt, die nicht brüten, so der Kreisjägermeister." (CZ, 3. Juni 2008). Ein Bauer hatte sich beklagt, die Gänse würden seine Getreideäcker schädigen. Daraufhin gab es diese Ausnahmegenehmigung. Der Naturschutzbeauftragte des Landkreises warf dagegen den Jägern vor, sie würden die reguläre Jagdzeit (ab August) zu wenig zur Reduktion nutzen.

Die Gänsejagd ist "auch in Vogelschutzgebieten" erlaubt. Dabei kommt es auch zu Schüssen auf geschützte Tierarten. "Minister Ehlen räumte dies ein, sagte aber auch, es gebe nur wenige solcher Fehlschüsse." (Land & Forst, Heft 51/52/2008) Die Jagd bedroht auch den Bestand von Tierarten, auf die die Jäger nicht schießen, weil die Jagd alle Tiere in Todesangst versetzt: "Wo geschossen wird, brüten und überleben insgesamt weniger Tiere als in jagdfreien Zonen." (Schneider-Jacoby, Stiftung Euronatur, nach Süddt. Zeitung, 6. Okt. 2009)

Sie dürfen in Niedersachsen auch getötet werden (Bild: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Höckerschwan)).

In Niedersachsen darf auch die Nilgans getötet werden, obwohl in ganz Deutschland nur 1000 bis 1500 Brutpaare leben (Nds. Jagdbericht 2007).

Kritik der Vogeljagd in Niedersachsen vom ÖJV, der allerdings die Jagd auf Höckerschwäne befürwortet.

Der Eichelhäher

Außerdem hätten die Jäger gerne wieder bundesweit den Eichelhäher auf der Liste der jagbaren Tiere. Dazu Carlo Consiglio, Vom Widersinn der Jagd, Zweitausendeins-Verlag, 2001:

"Der Eichelhäher lebt in Waldgebieten, und allein deswegen sollte man ihn aus der Reihe der Arten ausschließen, die der Landwirtschaft nennenswerten Schaden zufügen." (S. 94)

Für die Forstwirtschaft ist er sogar außerordentlich nützlich, weil er Eicheln und Bucheckern vergräbt.

"So wachsen Eichen oder Buchen an Orten, an denen sie ohne den Häher nie stehen würden." Dennoch ist er "des Försters Freude, des Jägers Jammer": "Was ihn bei Jägern mitunter so unbeliebt macht, ist seine Wachsamkeit. […] Ein behutsam pirschender Jäger wird ebenso laut 'rätschend' und alle anderen Tiere warnend begleitet, wie etwa ein unvorsichtiger Fuchs oder Greifvogel." (G. G. Harling, CZ, 20. Jan. 2001)

"Ohne Jäger kein Wild" (DJV)

Das Damwild

Anfang der sechziger Jahre setzten Jäger zwischen Braunschweig und Peine, in einer der am dichtest besiedelten und industrialisierten Regionen Niedersachsens, Damwild aus, das es dort vorher noch nie gegeben hatte. (Es stammt aus dem vorderen Orient und wurde vor 300 Jahren zuerst in fürstlichen Wildgehegen ausgesetzt.) Damit stiegen mehrere Reviere von armseligen Niederwild- zu edlen Hochwildrevieren auf. Die Jagd auf das Hochwild (z. B. Dam-, Rot- und Schwarzwild) war früher bei Todesstrafe dem Hochadel vorbehalten, in dessen Fußstapfen die modernen Jäger treten wollen. Heute beklagen sich die Peiner Jäger darüber, dass viele Damtiere, statt durch ihr Blei, durch Autos und Eisenbahnzüge getötet werden oder sich in Zäunen verfangen.

"Damwildland Deutschland. Nach einem kurzen Abwärtstrend zur Mitte der 1990er Jahre steigt die Jahresstrecke des Damwildes in Deutschland kontinuierlich und steil an. Und außer Bremen ist jedes deutsche Bundesland mittlerweile auch 'Damwildland'." (Wild und Hund 19/2003, S. 118)

"[...] die Markgrafen, Kurfürsten und Könige, die es im 17. und 18. Jahrhundert so perfekt verstanden haben, ihre Staatspflichten mit dem Vergnügen zu verbinden." ("Glanz und Gloria der Jagdschlösser" von Heidi Weidner-Weiden, Kapitel "Das exklusive Ambiente eines fürstlichen Privilegs", in: Kurt G. Blüchel (Hg.), Die Jagd, S. 246 ff.)

L'état c'est moi

 

"Die französische Revolution ist doch nur ein Ausfluss von Neid gewesen." Der verhinderte Rittergutserbe und Jäger T. aus H.

"Es ist keine Frage, dass es Privilegien geben muss. Die Frage ist nur, wem sie gebühren." Der spanische Philosoph Ortega y Gasset, dessen "Meditationen über die Jagd" auch Deutsche Waidmänner gern zitieren.


Des Erbprinzen erster Gemsbock
Th. Th. Heine, Simplicissimus 1897

"Darum ist die Jagd von großen und berühmten Potentaten allezeit geliebt und betrieben worden; denn sie ist eine Gemütserquickung, eine Schwermutsvertreibung, eine Feindin des Müßiggangs und aller daraus entstehenden Laster, eine Ernährerin der Gesundheit, Übung des Leibs, Vorspiel und Spiegel des Krieges und eine gute und reiche Küchenmeisterin, die unsere Tafeln mit herrlichen Speisen versorgt." (Wolf Helmhard von Hohberg, Georgica curiosa, 1682)

Wild und Hund 13/2006

Das Muffelwild

Deutsche Jäger setzen seit hundert Jahren das korsische Wildschaf (Mufflon), ein Tier "mit großer Friedfertigkeit" (Schulte, S. 74), aus als Bereicherung auf ihrem jagdlichen Trophäenteller. Es entstammt einer warmen, trockenen, felsigen Landschaft und leidet unter den ganz anderen klimatischen und Bodenverhältnissen in Deutschland unter Klauenkrankheiten (Moderhinke) und Parasiten (Leberegel). In der Rhön hat man es deshalb wieder "ausgerottet".

"Gewinnsucht der Importeure, das Streben nach Maximierung der Wildbretgewichte und Trophäenstärke führten dazu, daß fremde Schafrassen eingekreuzt wurden." (Schulte, S. 73)
Und nun ist eine Handvoll Wölfe nach Ostdeutschland zurückgekehrt!

"Ursprünglich in offenen Gebirgslandschaften beheimatet, wurde die kleinste Unterart des Wildschafes zu DDR-Zeiten aufgrund ihres schmackhaften Fleisches in den Staatsjagdgebieten angesiedelt. 'Muffelwild kennt den Wolf nicht als natürlichen Feind, ist für das Raubtier viel zu langsam', warnt Fochtmann [Jagdbehörde und vermutlich selbst Jäger]. So wurde die Mufflonpopulation in der sächsischen Lausitz binnen kürzester Zeit von den Wölfen ausgerottet, gleiches droht nun den etwa 500 Exemplaren im Ostbrandenburger Schlaubetal.
'Wir haben einen Artenreichtum herangehegt, der kaputt gemacht wird, wenn der Wolf hier tun und lassen kann was er will', ärgert sich Jäger Friedrich Hesse, Sprecher der Hegegemeinschaft Schlaubetal. […] Die Stimmung unter den Jägern sei bedenklich, sagt Hesse. 'Wenn sie ihre Interessen nicht gewahrt sehen, wird es problematisch, denn sie greifen irgendwann zur Selbstjustiz.' Der Wald sei schließlich groß und schweige, meint er vielsagend."
(Welt Online, 4. Dez. 2007)

"Artenreichtum durch Ausrottung von Arten" sagen Honeckers und Mielkes Nachfolger. Keine zwei Wochen später erlösten zwei Jäger im niedersächsischen Wendland mit vier Schüssen einen Wolf von seinen Leiden, der bereits von einem dritten Jäger angeschossen gewesen sein soll. "Nach Angaben von Wolfsexperten sind bundesweit seit dem Jahr 2000 mindestens sechs Wölfe erschossen worden", schrieb die HAZ am 10. Juni 2009, nachdem vier Tage zuvor ein Jäger in Sachsen-Anhalt einen Wolf erschossen hatte.

Welche Verwüstungen die Jäger im Schlaubetal anrichten, hat der ÖJV dokumentiert.

Der Elch

Der Elch war in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ausgerottet, steht aber trotzdem noch auf der Liste der jagbaren Tiere. Ganz ohne die Hege der Jäger kommen ab und an einzelne Elche aus Polen nach Ostdeutschland. Sind die Jäger begeistert? Nein!

 

" 'Ein Elch frisst sehr viele Knospen, Rinden und grüne Blätter. Die Schäden an den Bäumen sind oft groß', sagt Dolling [Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Fürstenwalde] und fügt hinzu: 'Dafür müssen die Jäger aufkommen.' Denn die Elche unterstehen als Schalenwild dem Jagdrecht, haben jedoch eine ganzjährige Schonzeit. 'Wenn ein Waldbesitzer die Schäden bemerkt, können die Forderungen schnell ein paar tausend Euro betragen.' […] Prinzipiell habe er nichts gegen Elche, aber die Jägerschaft sehe eine Aussiedlung skeptisch." (Märkische Oderzeitung, 16.3.2009: Gefräßige Elche ärgern die Jäger; siehe auch Märkische Oderzeitung, 9.3.2009: Elche und Schweine ärgern die Jäger)

Der Fasan

Weit verbreitet ist es, Fasane, die ursprünglich vom Kaukasus herstammen (phasianus colchicus), und andere Tiere in Käfigen aufzuziehen, damit die Jäger sie vier Wochen nach dem Aussetzen abschießen können. (Diese Schamfrist aus dem Bundesjagdgesetz lässt sich leicht umgehen.)

"Nach dem 2. Weltkrieg erfuhr die Fasanenzucht eine nie gekannte Blüte. […] Es gibt keine andere Wildart in der Bundesrepublik Deutschland, bei der ähnlich wie beim Fasan menschliche Eingriffe in die Population, nämlich Aussetzen, Füttern, Kurzhalten seiner Verfolger und anschließendes Schießen, ausgeführt werden. Die Industrialisierung der Fasanenzucht kann sich wildbiologisch katastrophal auswirken." (Einschleppung von Krankheiten aus dem Zuchtstall und Verdrängung einheimischer Arten.) In den "Fasanenfabriken" würden Zustände wie in den agrarindustriellen Geflügel-KZs herrschen. "Kein Wunder, daß diese Tiere in der freien Wildbahn nicht lebenstüchtig sind." (Schulte, S. 145f)

"Diese Zuchttiere sind an die Bedingungen einer Aufzucht in Gefangenschaft gewöhnt und haben  als Jungtiere weder die artgerechte Form der Ernährung noch das Fluchtverhalten vor Räubern in freier Wildbahn gelernt. Ein Großteil der im Zuge von Besatzmaßnahmen ausgewilderten Tiere geht schon in den ersten Tagen nach ihrer 'Freilassung' ein." (Consiglio, S. 192)

Deshalb zerbrechen sich Jäger den Kopf über die "Züchtung landschaftsgerechter Fasanen"

Das Sikawild

Das Sikawild (cervus nippon) stammt aus Ostasien, wurde in Deutschland zum ersten Mal 1893 ausgesetzt und kreuzt sich hier mit dem edlen Rothirschen. Raesfeld/Frevert merken an, "daß eine weitere Verbreitung und Vermehrung dieser Wildart durchaus wünschenswert wäre - wenn die Trophäe stärker und besser wäre." (S. 18)

Der Waschbär

Deutsche Jäger setzten 1927 und 1934 in Hessen den nordamerikanischen Waschbären aus, um ein neues Totschießobjekt zu haben (Nds. Landesjagdbericht 2003, S. 54). Heute schockieren sie die Öffentlichkeit mit der Mitteilung, dass der possierliche Allesfresser eine Gefahr für die einheimische Tierwelt sei, dass also eine "Regulierung" durch Bejagung nötig sei. Jedoch:

"Waschbär-Plage im Harz und Harzvorland. Jäger immer häufiger überfordert
[…] Das kleine Tier mit der schwarzen Augenpartie könne sich ungehindert vermehren, weil natürliche Feinde wie Luchse, Steinadler oder Wölfe fehlen, sagte Kramer [Landesjagdverband Sachsen-Anhalt]."
(CZ, 27. Okt. 2007)

Der Marderhund

Dasselbe Theater führen sie mit dem Marderhund auf, "nachdem er in den 1930er bis 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts planmäßig in verschiedenen Teilen Deutschlands ausgewildert wurde." (Landesjagdbericht 2003, S. 52) (Hier eine Stellungnahme schleswig-holsteinischer Naturschützer zum "Problem" Marderhund.) Das scheinheiligste Argument zu diesem Thema liefert der Kreisjägermeister Celle: Wir müssen auch den Fuchs (!) vor dem Marderhund schützen, sagte er, nachdem er verkündet hatte, wie viel tausend Füchse die Celler Jäger im gerade abgelaufenen Jagdjahr totgeschossen haben (CZ, 8. März 2008).

"Möblierung der Landschaft"

Ständig fahren die Sitz-Jäger mit Autos im Wald herum, manche mehrmals täglich, immer den Futtersack dabei. Sie verschandeln die Landschaft mit Hochsitzen im Abstand von 100 m und halten Erinnerungen an die DDR-Grenze wach. Einige legen Todesstreifen an: Sie fräsen regelmäßig den Waldboden, um bequem – vom Auto aus – die Wildspuren zu zählen.

 

Nur Dilettanten und Tattergreise brauchen Hochsitze
hässlicher Hochsitz
Eine derartig die Landschaft verschandelnde Ansitzhütte gilt den Jagdgegnern als "Totmacherkiste".
schöner Hochsitz
Hier fügt sich ein Hochsitz harmonisch dem Waldbild ein.
Mag auch die Pirsch stets die Krone des Waidwerks bleiben – sie fordert vom Jäger höchste Aufmerksamkeit und bietet dem Wild mehr als jede andere Jagdart gleichgewichtige Chancen – , so werden doch viele Jäger, sei es mit Rücksicht auf ihr Alter oder als Jagdgast aus mangelnder Erfahrung im Pirschen, auf Hochsitze angewiesen sein, um den erforderlichen Abschuß erfüllen zu können.
kursiv gesetzter Text und Bilder aus Gendrich, S. 140 und 133

Die Ansitzjagd ist die vorherrschende Form der Jagd und ist nicht nur nicht geeignet, die überhöhten Wildbestände zu reduzieren, sondern setzt sie im Gegenteil voraus, damit der Jäger nicht zu lange warten muss. Schließlich ist der Jagdgast zumeist ein zahlender Jagdgast. "Diese Jagdart ist vor allem für den gehetzten Jagdpächter aus der Stadt wichtig" (Koch, S. 38).

Morsche oder zusammengebrochene Hochsitze lassen sie grundsätzlich stehen bzw. liegen, obwohl sie zu deren "unverzüglichen" Beseitigung in Niedersachsen gesetzlich verpflichtet sind.

Mit ihren Bleigeschossen (3000 bis 4000 Tonnen jährlich in Deutschland) verseuchen sie Boden, Gewässer und auch das Fleisch der Tiere. Daran stirbt ein erheblicher Teil von fleischfressenden Tieren, z. B. Adler ("Jeder vierte der in Deutschland gestorbenen Seeadler verendete durch eine Überdosis Blei im Blut". Die Zeit, 16.April 2009), und von Wasservögeln:

"Besonders betroffen sind Enten, denn zur Verdauung brauchen sie kleine Kieselsteine, die sie vom Boden aufnehmen und schlucken. Enten können zwischen gefährlichen Schrotkörnern und harmlosen Steinchen nicht unterscheiden. Werden diese Schrote von den Wasservögeln geschluckt, zersetzt die Magensäure das Blei in lösliches Bleisalz, das in den Blutkreislauf gelangt und sich in den Nieren und in der Leber anreichert und dadurch zu einer schweren, möglicherweise tödlich verlaufenden Vergiftung führt." (Consiglio, S. 184)

Ein jagender Bauunternehmer und Bürgermeister von der christlichen Schwarzgeldpartei verbuddelte vor einigen Jahren Bauschutt in seinem Revier, wofür er bestraft wurde. Später wurde er wegen mehrjähriger Beschäftigung eines (eines?) Schwarzarbeiters zu 100 Tagessätzen zu je 120 Euro verurteilt. Das hat ihn für einige Jahre den Jagdschein gekostet. Bezeichnenderweise ist ihm aber nicht der Jäger H. E. Meyer, der im Landkreis für die Schwarzarbeitsbekämpfung zuständig ist, auf die Schliche gekommen, sondern die Sache wurde der Staatsanwaltschaft durch einen wirklich dummen Zufall bekannt.

Jäger zu Naturschützern zu machen, heißt, den Bock zum Gärtner zu machen. Der Internationale Jagdrat zur Erhaltung des Wildes (CIC) fasst den Zynismus bewaffneter Naturschützer so zusammen:

"Die wirtschaftliche Nutzung wild lebender Tiere eröffne die Chance zu deren dauerhafter Erhaltung. […] wies der CIC eindringlich darauf hin, dass wild lebende Tiere einen kostbaren kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Wert darstellen, der unbedingt für nachfolgende Generationen geschützt werden muss. Ein pfleglicher Umgang mit diesem Erbe wird jedoch nur [!] erreicht, wenn auch soziale und wirtschaftliche Vorteile für die Menschen damit verbunden sind." (CZ, 8.7.2000)
Gerade wegen der wirtschaftlichen Vorteile für eine gewisse Sorte Menschen sterben Tier- und Pflanzenarten aus – und das soll ein brauchbares Mittel für das schiere Gegenteil sein? Darf nur überleben, was finanziell nutzbar ist? Sterben Spinnen- und Insektenarten, Kröten, Kriechtiere und Fledermäuse aus, so juckt das keinen Jäger: "In einem Land, in dem für Erdkröten und andere Kleintiere im Frühjahr Straßen gesperrt werden, ist es dringend notwendig, auch beim Rotwild über neue Wege und konsensfähige Konzepte nachzudenken." (Wild und Hund 10/2002, S. 48)

Jäger schaffen keinen Lebensraum für Tiere, sondern Tötungsgelegenheiten für sich:

"Die Anlage von Feuchtbiotopen kommt einer Vielzahl von Tierarten zugute" – und ganz nebenbei auch dem Jäger.

 Bild und kursiv gesetzter Text aus dem Nds. Jagdbericht 2007, S.14.

Waldsterben von unten

Rehe und Hirsche fressen Bäume und Büsche kahl, Hirsche und Mufflons ziehen außerdem die Rinde von Bäumen ab; Wildschweine zerwühlen Äcker und Wiesen und fressen Kartoffeln, Getreide u. a. Die Schäden sind immens, weil die Jagd um so bequemer und einträglicher ist, je höher die Bestände sind.

geschädigte Bäume

Rotwild frisst Baum an

"Ein Beispiel für Schäden durch Wild: Die drei kleinen Fichten im Vordergrund sind genauso alt wie die großen im Hintergrund – regelmäßiger Verbiss der jungen Triebe durch Reh- oder Rotwild." "Schälendes Rotwild an einer Fichte. Jagd und Hege sollen Wildschäden vermeiden helfen und dabei ökologische Erfordernisse berücksichtigen."
Text und Bild aus dem Jahresbericht 2000 der niedersächsischen Landesforstverwaltung, S. 18 Text und Bild standen einst beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium

Die Ausführungsbestimmungen zum niedersächsischen Jagdgesetz werden nirgendwo eingehalten: "Die in einem Waldgebiet vorkommenden Hauptbaumarten müssen sich i. d. R. ohne Schutzmaßnahmen verjüngen lassen." Nach der Bundeswaldinventur 1990 wiesen 42% der ungeschützten Eichen und Tannen, 32% der Buchen und 18% der Fichten zwischen 20 und 50 cm Größe ernste Verbissschäden auf. Das Schalenwild hat mitgeholfen, die Tanne auf die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen zu bringen. Das nennen die wenigen nicht korrupten Förster "Waldsterben von unten" (Bode/Emmert, Jagdwende, Beck-Verlag, 3. Aufl. 2000): "der Ruf des Forstmannes […], wenn er wegen des Wildverbisses keinen Mischwald mehr aufbauen kann oder bestimmte Holzarten wie etwa die wertvolle Tanne nur mehr im Zaun hochbringt." (Koch, S. 40)

Seit 50 Jahren hat sich daran nichts geändert. Sogar Aigners Bauern- und Jägerministerium gibt zu:

"Es ist jedoch auch festzustellen, dass zu hohe Pachtpreise vielfach mit zu geringen Abschüssen beim Schalenwild einhergehen, was mit überhöhten Wildschäden insbesondere im Wald verbunden ist. In Waldrevieren können Wildschäden und Kosten für Wildschutzmaßnahmen die erzielten Jagdpachterträge sogar übersteigen." (Jagd und Entwicklung des ländlichen Raums)

Andere sehen das anders und rechnen vor, "dass das Jagdrecht einen handfesten materiellen Wert verkörpere und mitunter Renditen erziele, die sich hinter dem forstlichen Einkommen nicht zu verstecken brauchen" ("Hände weg vom Bundesjagdgesetz", Das Landvolk, Mitteilungsblatt des niedersächsischen Landvolks – Landesbauernverband e. V., 1.12.2000, S. 5). Oder mit den schlichteren Worten meines jagenden Nachbarn, eines Agrar- und Jagdunternehmers: "Soll doch das Wild den Wald auffressen; mit der Jagd kann man mehr Geld verdienen als mit dem Holz."

F. K. von Eggeling stellt in seinem Buch "Vom Jagen in Deutschland" (Parey-Verlag 1988) eine Beispielrechnung auf, in der jedes Reh einen Baumschutzaufwand (Zäune o. ä.) von 600 DM jährlich verursacht. Neuere Berechnungen ergeben: "Die Jagdeinnahmen decken meist nicht einmal die Zaunbaukosten." (Land & Forst, 7/2009, S. 63). Jedes erlegte Reh erspare einem Forstbetrieb 1500 Euro Kosten. Niedersachsen subventioniert den Bau von Zäunen zum Schutz des Waldes vor dem Wild mit bis zu 4 Euro pro laufendem Meter.

Der niedersächsische Landesrechnungshof bezeichnete die Schäden durch zu hohe Rotwildbestände im Kreis Celle wiederholt als nicht mehr hinnehmbar: Mit 1,9 Mill. DM Steuergeldern geförderte Aufforstungen seien geschädigt, zum Teil "sogar zerstört worden". Verantwortlich sei die Jagdbehörde des Landkreises, die zu hohe Wildbestände dulde (Nds. Landesrechnungshof, Jahresbericht 1999, S. 198). Einige Waldbesitzer verklagten die Jagdbehörde erfolgreich zur Zahlung von Schadenersatz, weil sie nicht bereit war, die Abschussquoten zu erhöhen.

Naturpark Südheide: Sogar der Kreisjägermeister Celle bezeichnet die Gegend als eines von mehreren Rotwild-"Ballungsgebieten" (CZ 8. März 2008). Hier ist Ackerbau nur hinter mannshohen Zäunen möglich.

Wildschutzzaun

Auch dieser Zaun ist eine Bankrotterklärung der Jäger. Der Bundesbürger hält ihn jedoch für normal und zahlt gern Subventionen:

Es ist die Regel, dass die Abschusspläne nicht erfüllt werden, obwohl es das Bundesjagdgesetz in § 21 ausdrücklich verlangt. Z. B. wurden im Hegering Steinhorst von 102 freigegebenen Rehböcken nur 59 abgeschossen (CZ, 29. Dez. 1998). Das findet seinen Grund darin, dass das Töten von Hirschen und Wildschweinen den Jägern einen höheren Lustgewinn verschafft als das von Böcken, sind sie doch nur der "Hirsch des kleinen Mannes". Wenn in einem Revier über viele Jahre hinweg immer nur ein Sechstel der Rehe erschossen werden, die nach dem Abschussplan hätten getötet werden müssen, dann drückt die Jagdbehörde Celle beide Augen zu, auch wenn es dort dreimal so viele Rehe gibt, wie sie selbst für die Forstwirtschaft als "tragbar" festgesetzt hat. Wenn die Jäger den Abschussplan für Rotwild nur zu 82% erfüllen, halten sie das schon für eine außerordentliche Leistung (CZ, 4. März 2002). In manchen Jahren erfüllen sie ihre Pflicht zu weniger als 70% (CZ, 6. März 2006).

Übrigens: "Wo der Wolf geht, wächst der Wald." (Sprichwort)

 

Jagen auf Staatskosten I: Niedersachsen

Das hochverschuldete Niedersachsen leistet sich so manchen Luxus in seinen Wäldern (Landesforsten). Der niedersächsische Rechnungshof stellte fest: "Ein sehr hoher Kostenanteil des Jagdbetriebs in Höhe von rd. 2,1 Millionen DM entfällt auf die persönliche Jagdausübung der Forstbediensteten." Diese widmeten 8 % der Dienstzeit ihrem Hobby (Jahresbericht 2001, S. 246). Viele Forstbeamte haben ihren Beruf deshalb ergriffen, weil er mit einer kostenlosen Jagdmöglichkeit verbunden ist.

Außerdem stellte der Rechnungshof fest, dass die Kosten für Gesellschaftsjagden in den Landesforsten über 1,3 Mill. DM betrügen und dass keine Teilnahmegebühren erhoben würden  (S. 245). Gleichzeitig entstünden fast 5,2 Mill. DM an Wildschutzkosten für Zäune u. a. Die Wildbestände seien zu hoch, die Abschusspläne zu niedrig angesetzt und würden noch nicht einmal eingehalten werden. Auf nur 4 % der bejagbaren Flächen in der Landesforsten sei das Jagdrecht verpachtet. Das Land verzichte somit auf mehrere Millionen DM Einnahmen, obwohl die Landesforstverwaltung 1999 ein Defizit von 100 Mill. DM erwirtschaftete.

Es drängt sich die Vermutung auf, dass eine Reihe von Politikern, Ministerial- und Forstbeamten die Jagd im Landesforst als ihre persönliche Pfründe betrachten: Ein Drittel des begehrten Rotwildes Niedersachsens wird in den Landesforsten erlegt, und in den meisten Bundesländern brauchen jagende Spitzenpolitiker keine Abschussgebühren zu bezahlen (Bode/Emmert, S. 305, Anm. 152). In dieses Bild passt, dass der Rechnungshof im Jahresbericht 2000 das Landwirtschaftsministerium scharf dafür gerügt hat, dass es der Landesjägerschaft (LJN) außer projektbezogenen Zuwendungen in Millionenhöhe noch zusätzlich alljährlich Geldgeschenke von 380 000 DM gemacht habe, wofür es nicht die mindeste Begründung gebe.

Wildfütterung im HarzEin besonderes jagdliches Juwel ist der Nationalpark Harz im Eigentum der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt:

"Etwa 50 Prozent der Fichten und rund 20 Prozent der Buchen im niedersächsischen Teil des Harzes sind durch Rotwild-Verbiss geschädigt. […] Insgesamt gibt es im Westharz aber nicht zu viele Hirsche, so Forstdirektor Rieckmann." (CZ, 1.3.2003)

"Liebhaber zahlen für den Abschuss eines Hirsches je nach Geweihgröße bis zu 3.000 Euro in die Landeskasse." (Land & Forst 17/2009)

Dafür wird das Wild zumindest im Winter regelmäßig gefüttert (siehe die Abbildung aus Land & Forst 7/2010 vom 18. Feb. 2010).

Besonders dramatische Auswirkungen haben die Waldschäden im Gebirge, wo der Wald eine wichtige Schutzfunktion gegen Schneelawinen und Erdrutsche hat. Der Forschungsbeirat der Bundesregierung und der Länder "Waldschäden / Luftverunreinigungen" nahm in seinem 3. Bericht von 1989 kein Blatt vor den Mund:

"Besondere Probleme bietet im Zusammenhang mit natürlicher Verjüngung der oft zu hohe Wildbestand. Vernichtender Verbiß der jungen Pflanzen, der in tieferen Regionen durch (teuren) Gatterbau verhindert werden kann, bedeutet im Bergland, ganz besonders im Alpenraum, durch die bei hohem Schnee nicht schützenden Zäune, das Ausbleiben jeglicher Verjüngung." (S. 589f)
Der Forschungsbeirat forderte den Gesetzgeber auf:

"[…] zu einer Reduktion des Wildes muß er sich endlich gegen alle jagdpolitischen Interessen aufraffen, damit wenigstens der Bergwald in Anbetracht seiner landschaftsökologisch besonders gewichtigen Bedeutung als Schutzwald stets stabil bleibt oder wieder stabilisiert wird." (S. 590)

Die Übervölkerung bei den Rehen stößt manchmal sogar bei Jägern auf Kritik: Es leiden nämlich – die Trophäen:

"Das Rehwild hat leider durch ungenügenden Abschuß in den letzten 20 Jahren derart zugenommen, daß es als durchweg parasitenverseucht und degeneriert angesehen werden kann. Die Jäger des Landkreises werden es sich zur Aufgabe machen müssen, durch gezielten Hegeabschuß unseren Rehwildbestand auf einen natürlichen Stand zu bringen, der dem gebotenen Biotop entspricht. Jagd ist kein Hobby, sondern eine regulierende, volkswirtschaftliche und kulturelle Aufgabe." (Frederik-Thorwald von Bothmer, Wild und Waidwerk, in: Der Landkreis Celle, hg. Oberkreisdirektor Bruns, Oldenburg 1966, S. 173. Bothmer war von 1964 bis 1991 Kreisjägermeister. In seiner Amtszeit explodierten die Bestände von Rot- und Schwarzwild ebenso, wie die Bestände von Birkhuhn, Rebhuhn usw. zusammenbrachen. Die höflich angedeutete Dezimierung des Rehbestandes fand nicht statt. Heute ist er Ehren-Kreisjägermeister. Er bekam auch das Bundesverdienstkreuz "für seine Naturschutzarbeit" verliehen (CZ am 28. Juli 2008 zu Bothmers 85. Geburtstag).)

Jagd schafft Arbeitsplätze!

Stolze 32 Arbeitsplätze für Berufsjäger gibt es in Niedersachsen. Die übrigen 58 972 unprofessionellen Jäger opfern dagegen ihre karge Freizeit, um wie Kleingärtner Bäume zu pflanzen. Deshalb schreiben der Bauernminister Ehlen und seine Jagdkumpel von der LJN im niedersächsischen Jagdbericht 2002 völlig zu Recht: "Jagd ist kein Hobby", sondern eine anspruchsvolle Tätigkeit mit "vielfältigen Aufgaben", von denen keine erfüllt wird:

"Jägerinnen und Jäger sind vom Gesetzgeber in ihrem Wirken dem Interesse der Allgemeinheit verpflichtet. Sie haben für einen artenreichen Wildbestand zu sorgen, der an die landschaftlichen und landeskulturellen Gegebenheiten angepasst werden muss." (S. 28) "Junge Bäume sind naturgemäß dem Verbiss durch Rehwild, Rotwild oder Damwild ausgesetzt. Der Wildbestand muss daher an bestimmten[!] Standorten gezielt und für überschaubare[!] Zeiträume abgesenkt werden, ohne dass der Erhalt der Art im betreffenden Raum in Gefahr geraten darf. Intensiv diskutieren[!] Jägerinnen und Jäger, Jagdbehörden, Waldbesitzer und Forstleute, um das jeweils passende Maß zu finden." (S. 4)

In den Hegerichtlinien des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums von 1986 waren für den Reh-, Rot-, Schwarz- und Damwildbestand verbindliche Obergrenzen vorgeschrieben. Die Obergrenze für den Rehbestand wurde 1993 gestrichen mit der aufschlussreichen Begründung, dass Jäger den Bestand immer zu niedrig einschätzen, also nicht zählen können. 2004 hat Ehlen ganz "praxisnah" die Hegerichtlinien insgesamt gestrichen. Nun dürfen die Bestände ins Uferlose wachsen, trotz Beschwerden von Forstexperten wie dieser:

"Naturverjüngung, Kulturbegründung ist bei genügender Flächengröße bei der Hälfte der Betriebe ohne Zaun möglich, Voranbau nicht immer. Angepasste Wildbestände sind jedoch nur in wenigen Betrieben zu verzeichnen. […] Es bedarf grundsätzlicher Klärung hinsichtlich der weiteren Jagdpolitik des Landes." (Bericht zur jährlichen Überprüfung und Kontrollstichprobe der Region Niedersachsen 2002 im Rahmen der Pan-Europäischen Zertifizierung der Forstwirtschaft (PEFC))

Sander hält Radioaktivität für "kerngesund"Übrigens schützt Ehlen auch Bauern, die Obstbäume mit verbotenen Giften besprühen. Und sein Kollege Umweltminister, der Obstbauer und Jäger Sander (Foto rechts), sagt den professionellen Giftspritzern und Brunnenvergiftern: "Zur Sanierung der öffentlichen Haushalte kann der Umweltschutz viel beitragen. […] Viele [Umweltschutz-]Gesetze seien überflüssig und gehörten abgeschafft […]." (Landvolk, 10. Dez. 2005) Eine der ersten Amtshandlungen Sanders war der sog. Höflichkeitserlass: Seitdem haben Vertreter von Umweltschutzbehörden ihr Erscheinen beim Bauern vorher anzukündigen, damit der die Spuren seiner Untaten noch schnell beseitigen kann. Die Wildschweinplage verbucht er bauernschlau als einen der "Erfolge in 15 Jahren Artenschutz". (Weiße Liste der Säugetiere Niedersachsens, 2008)

Dass Minister Sander Mitglied im NABU ist, sagt alles über diesen Verein.

 

Jagen auf Staatskosten II: Bayern

Der Oberste Bayerische Rechnungshof rügte 1993 die Belastung öffentlicher Kassen durch die Jagdleidenschaft vieler hochkarätiger Beamter der Forstverwaltung am Beispiel des obersten Chefs aller bayerischen Förster, Ministerialdirektor Otto Bauer, der einen Hirsch 'frei hatte'. Da man derlei Jagdgäste nicht alleine ins Revier lassen kann und da man ihnen nicht zumuten kann, die Verarbeitung ihrer Beute selbst zu übernehmen, fielen folgende Kosten an:
  • 64 Stunden Führung des Jagdgastes (in dessen Dienstzeit?)
  • 3 Stunden Bergen des Hirsches
  • 2 Stunden Begutachten und Fotographieren des Geweihes durch den Forstamtsleiter
  • 4 Stunden Auskochen des Schädels durch den Berufsjäger
  • 5 Stunden Liefern der Trophäe an den glücklichen Schützen über 193 km Dienstfahrt mit dem Auto.
Damit haben die Bürger das Tötungsbedürfnis ihres Ministerialdirektors nach Abschätzung des Rechnungshofes mit 14 000 DM gefördert. Gefragt wurden sie nicht, und nicht berücksichtigt bei der Berechnung war wohl der mindestens 64-stündige Arbeitszeitausfall dieser Spitzenkraft wegen der Jagd und der Arbeitsausfall wegen der spannenden Erzählungen für die Kollegen an Hand der eindrucksvollen Fotos. Auch hätte man den Abschuss des kapitalen Trophäenträgers (des Hirsches) für 10 000 DM verkaufen können.
Quelle: BUND, Arbeitskreis Wald, www.waldklein.de/jagd/jagd3.htm mit weiteren Geschichten

Sorgen eines jagenden Ministerialrats

Heimo van Elsbergen, Jagdreferent im Umweltministerium Nordrhein-Westfalens, bedauert die sinkende Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung und die "Verdrängung des Todes", den er den Tieren beschert:

"Immer extremere Forderungen von Natur- und Tierschützern kommen auf: 'Da reicht die Bandbreite der Forderungen von der tierschutzgerechten Jagdausübung über Jagd als bloße 'Schädlingsbekämpfung' bis zur gänzlichen Abschaffung der Jagd', so der Referent. Aber auch ein rückläufiger Anteil der Jäger unter den Parlamentariern in Bund und Ländern – 'Heute sind Golf und Tennis schicker als die Jagd' – machen es nicht leichter. Seine These: 'Jäger haben sich fast 150 Jahre lang ihre Gesetze selbst gemacht. Dies gilt heute nicht mehr.' Kaum noch ein Parlamentarier in Bund und Ländern ist Jäger und wenn, dann outet er sich selten." (Pirsch 15/2001, Beilage "Jägerbote für Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen", S. 4)

Jäger haben Angst vor der Öffentlichkeit

Nach dem Ende der rot-grünen Koalition witterten die Jäger Morgenluft. Das Projekt einer ökologischen Reform des Bundesjagdgesetzes war unvollendet geblieben. Die Jäger hatten schon Pläne für ein ganz entgegengesetzte Reform in der Schublade liegen, die ihre Privilegien in unverschämter Weise ausweiten sollte, da kam von allerhöchster Stelle das Signal zum Rückzug:

"Das Bundesjagdgesetz wird entgegen der Forderungen von Tier- und Naturschützern nicht überarbeitet. Ein neues Gesetz würde die bisherige Situation bei der Jagd verschlechtern, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) in Amberg. Die Jäger würden dann zu Gejagten, die sich für ihr Dasein rechtfertigen müssten." (CZ, 23. April 2007)

"In einer Presseverlautbarung warnte Haase [Jagdfunktionär] davor, das vorbildliche deutsche Jagdrecht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Wenn erst eine politische Diskussion über die Jagd in Deutschland in Gang gesetzt werde, sei sie nicht mehr zu steuern, warnte der Verbandspräsident." (Land & Forst 10/2007, 15. März, S. 58)

Die Jäger jagen nicht, um Wildschäden zu begrenzen, im Gegenteil: Sie treiben ihn durch ihre Zucht- und Mastaktivitäten (Hege) in die Höhe. Und wenn Bauern dann immer öfter Schadensersatzforderungen stellen, wollen sie gleich das Jagdrecht geändert haben, um die Kosten abzuwälzen:

"Das Schwarzwild hat sich [!] über ganz Niedersachsen verbreitet. Und wenn ein Jäger vor einem 30 ha großen Maisfeld steht, hat er keine Chance einzugreifen." So bringt der LJN-Präsident den Dilettantismus seiner Hobby-Jägerschaft auf den Punkt. Messerscharfer Schluss: Der Mais, also der Bauer ist Schuld. "Auch Landwirte tragen einen Teil der Verantwortung." (Land & Forst 25/2008, S. 52) Zusätzlich fordert der LJN-Präsident auch noch die allgemeine Abschaffung der Jagdsteuer, was einige Landkreise bereits getan haben.

Die Jäger jagen auch nicht, um sich einen Sonntagsbraten zu verschaffen. Den könnten sie sogar beim Biobauern billiger bekommen. Nach Angaben des DJV investieren die Deutschen Waidmänner jährlich 750 Mill. Euro in ihr Hobby, aber ihre Jagdbeute habe nur einen Wert von 144 Millionen. Außerdem ist das Fleisch der männlichen Tiere, die sie in der Brunftzeit töten, ungenießbar.

Sie töten der "jagdlichen Freuden" und der Trophäen wegen, die sie sich als Beweis ihrer Intelligenz und ihres Mutes in die Wohnung hängen und deren Wert sie nach einer hochkomplizierten Formel bis auf zwei Stellen hinter dem Komma genau berechnen – Körperteile von Wiederkäuern, die sie im Winterhalbjahr sowieso verlieren. Also schießen sie vor allem männliche Tiere ab, und die weiblichen können und sollen weiter Nachkommen in die Welt setzen. Wenn eine Wildsau (Bache) bis zu zweimal jährlich acht Frischlinge gebiert, von denen einige noch im ersten Lebensjahr selber wieder Nachwuchs bringen, dann kann der Jäger ein exponentielles Wachstum des Bestandes erzeugen, ohne einen Finger krumm machen zu müssen. Die Vermehrungsrate der Rehe ist bei weitem nicht so hoch wie die der Wildschweine, trotzdem kann ein Jäger innerhalb von vier Jahren durch zurückhaltende Bejagung den Bestand verdoppeln, wie Koch S. 32-33 vorrechnet.

"Als vergnüglicher Zeitvertreib erhält die Jagd leicht einen sportlichen Touch und bekommt Züge der Selbstdarstellung." Diese Art der Jagd hat "die Lust des Jägers zum Ziel." (Seeben Arjes, Pirsch Heft 23/2000, S. 7)

Jagd ist "sportliches Schießen auf bewegliche, lebende Ziele in angenehmer Gesellschaft" (Horst Stern, 1975, zit. nach Bode/Emmert, S. 18)

"Kill for Cash-Party" (Arjes)

Gebärmaschine vom Leben erlöst

"Gnadenschuss für 'Oma Hirsch' "

" 'Vor 22 Jahren hatte Heinrich Schaper, der Vater der jetzigen Revierinhaberin Ingelore Lehmann, zum ersten Mal Rotwildfährten in seinem Revier entdeckt. Mit großer Erwartung hoffte er, dass die Hirschkuh in seinem Revier heimisch werden würde. […] Auf Wunsch des Revierinhabers durfte diese Hirschkuh nicht gestreckt werden', so Gudrun Lammers, Öffentlichkeitsbeauftragte des Hegerings Winsen. Die Hirschkuh dankte es den Jägern, in dem sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt brachte. Lammers: 'Nur in den letzten acht Jahren führte sie kein Kalb mehr. So wurde diese Hirschkuh die Stammutter eines neuen Rotwildrudels. Jetzt nach 22 Jahren sollte sie erlöst werden […]' " (CZ, 13.1.2004)
 

Standpunkte der Jungen Union Niedersachsen zum Thema Umwelt

Konzentration von Wildtierbeständen nicht künstlich aufrechterhalten

Die Junge Union Niedersachsen fordert, daß in Zukunft stärker gegen die künstlich aufrechterhaltenen Konzentrationen von Tieren, die dem Jagdrecht unterstehen, vorgegangen wird. Durch die Haltung zu hoher Wildbestände wird ein derart hohes Maß an Naturschäden in Kauf genommen, welches allein durch die kommerzielle Nutzung der Jagd nicht gerechtfertigt werden kann. Häufig auftretende Schäden sind hierbei die Überdüngung von Seen oder Moorgebieten durch Kot oder künstliche Nährstoffeintragungen von außen und großflächiger Baumverbiß. Solche massiven Auswirkungen können von der Natur nicht ausgeglichen werden, sondern führen nicht selten zu einer dauernden Schädigung der Ökosysteme. In Zukunft muß durch verstärkte Kontrollen verhindert werden, daß ein für das ökologische Gleichgewicht unverträglicher Bestand jagdbarer Tiere aufrechterhalten werden kann. (NT 1992)

Auch links würde Heidekraut wachsen, aber der Jäger will hier einen künstlich gedüngten Wildacker nebst Salzleckstein für die Mineralversorgung seines geliebten Wildes haben.

Aus dem Landschaftsrahmenplan für den Landkreis Celle

Die jagdliche Nutzung ist im Einklang mit Naturschutz und Landschaftspflege zu betreiben. Im einzelnen beinhaltet dies:
  • Erhaltung einer artenreichen, gesunden Tierwelt
  • keine Bejagung gefährdeter Tierarten (Arten der Roten Liste)
  • Der Wildbestand ist ansonsten so zu regulieren, daß keine Schädigung des Waldes durch zu starken Verbiß erfolgt. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, daß angestrebt wird, die Naturverjüngung von Laubholzarten zu fördern und die Bodenvegetation zu entwickeln.
  • Vermeidung von Wildkonzentrationen durch Bejagung
  • keine Anlage von Wildäckern in oder angrenzend an naturnahe, nährstoffarme Ökosysteme, z. B. Eichen-Birkenwälder, Heiden, Moore
  • Verzicht auf regelmäßige Fütterung und ihre Beschränkung auf wirkliche Notzeiten
Landschaftsrahmenplan für den Landkreis Celle, hg. vom Landkreis Celle 1991, Amt für Regionalplanung, S. 392

 
Hochsitz am Dorf
Schussrichtung Dorf
Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

Die Jäger sind eine Gefahr für die Allgemeinheit

Immer wieder liest man solche Nachrichten:
  • Ein Jäger schießt auf ein Reh – es stirbt ein Pferd.
  • Zwei Jäger schießen auf zwei Wildschweine – es sterben zwei Pferde.
  • Jäger jagen bei einer Schule – auf dem Schulgelände landen Schrotkörner und tote Vögel (so tat es auch in England Prinz Philip im Januar 2004)
  • Jäger schießt auf ein Reh – auf seinem Trecker stirbt ein Bauer ("leider kein Einzelfall" – Wild und Hund, Heft 19/2003, S. 24)
  • "Sachsen-Anhalt: Erneut wurde ein Mähdrescherfahrer bei einer Fuchsjagd von einem Jäger angeschossen." (Dt. Jagd-Zeitung, Feb. 2006)
  • Ein Jäger schießt auf ein Wildschwein – es stirbt ein Soldat im Manöver.
  • Ein Jäger schießt aus 30 m Entfernung auf einen Waschbären – es stirbt ein Mann, der sich in einem Apfelbaum Äpfel pflückt. Strafe: 6000 DM. War die Strafe deshalb so gering, weil der Mann ein Pole war? Im Falle des Soldaten betrug die Strafe immerhin 1 Jahr und 9 Monate Gefängnis auf Bewährung sowie 8000 DM.

Man vergleiche, wie pingelig dagegen Verstöße gegen die deutsche Waidgerechtigkeit mit ihrer Trophäenzucht geahndet werden: Erschießt ein Jäger einen Hirsch, der sowieso auf der Todesliste steht, ein paar Jahre zu früh (mangelnde "Hege mit der Büchse"), so kann das zwischen 900 und 10 000 DM kosten. (So widerfuhr es einem Ministerialdirigenten aus der niedersächsischen Landesregierung.)

Von der Gewalt gegen Tiere zur Gewalt gegen Menschen ist es nur ein kleiner Schritt. Aus dem Streckenbericht 2008, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
  • "Im saarländischen Schiffweiler erschoss ein Jäger am 5. November erst seine Ehefrau, dann sich selbst. Einen Monat vorher hatte ein Jäger im niedersächsischen Jesteburg erst seine Ex-Freundin, dann den Hund und danach sich selbst umgelegt.
  • Im August verübte ein Jäger in Frankfurt am Main Selbstjustiz: Er erschoss einen Mann, der nachts angeblich in einen Kleingarten einbrechen wollte.
  • Im hessischen Main-Kinzig-Kreis erlegte ein Jäger Mitte Juni seinen Nachbarn, mit dem er immer wieder gestritten hatte.
  • Ein betrunkener Jäger schoss nach der Kirchweih auf Jugendliche (in Oberfranken), ein anderer auf Spaziergänger (in Köln) - sie überlebten. Im Gegensatz zu einem Kneipengast in einem Hagener Ausflugslokal, der einen alkoholisierten Waidmann gereizt hatte."
(Spiegel 13/2009, S. 44)

Manchmal erschießen sich die Jäger auch gegenseitig. Mancher nimmt sich einen guten Schluck mit auf den Hochsitz, und nach vollbrachter Heldentat fließt der Alkohol in Strömen ("Tottrinken"). Jäger dürfen ab 1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang bis 1 ½ Stunden nach Sonnenuntergang schießen – also auch, wenn andere (?) die Hand vor Augen nicht mehr sehen. "Je älter der Jäger wird, desto größer wird sein Erfahrungsschatz, desto geringer aber seine Sehkraft" (Jäger 5/2000, S. 56). Wildschweine dürfen auch nachts beschossen werden: "Sau oder Strauch – die entscheidende Frage" (Wild und Hund 24/2003, S. 90). Dasselbe als Meldung über ein "unglaubliches Jagdglück":

"Gerade noch hat sich der Celler Kreisjägermeister Hans Knoop für eine stärkere Bejagung von Schwarzwild wegen des immensen Wildschadens für die Landwirte ausgesprochen, da gelingt Dirk Reinecke in Bannetze diese Sensation. Der Bauer schoss in der vorletzten Nacht innerhalb einer Stunde fünf Wildschweine - und das mit vier Schüssen. 'Die müssen direkt nebeneinander gestanden haben', kommentiert Reinecke seinen unerwarteten Doppeltreffer. Beim Aufräumen des angerichteten Wildschadens auf dem Maisfeld machte sein Vater Ludolf Reinecke erst 24 Stunden später die unglaubliche Entdeckung. Mit einem Durchschuss direkt hinter dem Kopf wurde das Schwein getroffen, das der Schütze zunächst gar nicht gesehen hatte." (CZ, 29. Sept. 2007) Es schien Vollmond.

Es gibt Jäger mit Herzschrittmachern, Alkoholiker, Choleriker, Halbblinde, Parkinson-Kranke – sie dürfen mit tödlichen Waffen herumlaufen. Deutschen Jägern gilt das Schießen aus dem Auto heraus als unwaidmännisch, aber Körperbehinderte dürfen das mit einer Ausnahmegenehmigung. Ein querschnittsgelähmter Rollstuhljäger erstritt sich vor Gericht das Recht zum "Jagen".

Bode und Emmert behaupten, dass manche Zeitgenossen die Jägerprüfung, das sogenannte "Grüne Abitur", einzig deshalb ablegen, um einfach und legal Waffen erwerben zu können. Die Jäger "dürfen sich so viele Büchsen und Flinten anschaffen, wie in den Land Rover passen, nur bei den Pistolen und Revolvern sind sie mit zweien am Limit." (Spiegel 13/2009, S. 44).

A propos "Grünes Abitur": "Grobe Verwechslungen mit geschützten Arten sind bei Jagdschein-Inhabern an der Tagesordnung" (Bode/Emmert, S. 218).

"Untersuchungen etwa der Entenjagd am Bodensee oder letztes Jahr bei der Gänsejagd an der unteren Mittelelbe haben gezeigt: Wenn die Gans zu Boden fällt, ist es nicht selten ein Kranich." (Bode im Spiegel 26/1998, S. 150)

Eine erlegte Kuh…

… dürfte einer Jagdscheininhaberin neben landläufigem Spott noch die missliebige Bekanntschaft mit der hessischen Obrigkeit einhandeln. Wie der Wiesbadener Kurier am 29. Oktober 2000 meldete, hatte die Frau als Jagdgast im "Dreiländereck" Breckenheim, Wallau und Nordenstadt auf herbstlichem Nachtansitz statt eines Stücks Schwarzwild – wahrscheinlich grob fahrlässig – eine hochträchtige Deutsche Angus-Kuh "erlegt". Der Revierinhaber ersuchte laut Wiesbadener Kurier den Eigentümer der getöteten Kuh um eine stille Lösung – der zog aber den Gang zur Polizei vor. Mehr als der vermutliche Schaden von 5000 Mark wog für den Hobby-Landwirt der bedenkliche Waffenumgang durch die Schützin. Das jagdrechtliche Vergehen beschäftigt unterdessen die Untere Jagdbehörde der Stadt Wiesbaden. Ein längerer Jagdscheinentzug winkt.
Im Artikel steht ferner: "Jäger schütteln … den Kopf: Ein Schaf und eine Wildsau – naja, das ginge noch. Zumal sich bei einem solchem Fehlschuss das Opfer ja heimlich zur Seite schaffen lässt, ohne dass die Sache auffliegen muss." Dass Worte ebenso Schaden anrichten können wie Waffen, scheinen die zitierten Herren nicht bedacht zu haben.
Das sprichwörtliche Fell der Kuh werden in diesem Fall die Feinde der Jagd als doppelte Sieger allein aufteilen.
Quelle: Pirsch 26/2000, S. 112
Kurz gesagt: (1.) Fehlschüsse von Jägern sind an der Tagesordnung. (2.) Jäger vertuschen ihre Untaten nach Kräften. (3.) Dass der Wiesbadener Kurier diese Wahrheit ausplaudert, ärgert die Pirsch!

Fehlschüsse müssen kein Versehen sein; und wenn sich partout nichts Lebendiges erschießen lässt – auch keine Hunde und Katzen – , durchlöchern Jäger gerne mal Verkehrsschilder.

Zum oben zitierten Artikel aus der Pirsch erhielt ich Post aus Wiesbaden-Breckenheim:
"Der Artikel, Eine erlegte Kuh....., ereignete sich unserer Gemeinde. Es ist hier ein offenes Geheimnis, dass nicht die erwähnte Jägerin diese Kuh erlegte, vielmehr war es ein bekannter Wiesbadener Urologe der hier waidmännisch aus der Rolle fiel."
 

Das mangelnde Wissen über die Natur, die mangelnde handwerkliche Fertigkeit sowie den Zeitmangel der Freizeitjäger beklagt sogar Dr. Heribert Kalchreuter in seinem Buch "Die Sache mit der Jagd" (BLV-Verlag, 4. Aufl. 1984), für das er den Preis für Öffentlichkeitsarbeit des DJV erhielt, wahrscheinlich deshalb, weil er die dümmste anzunehmende Rechtfertigung der Jagd vertritt: Die Tiere sterben doch sowieso eines Tages!

"Bei uns – und woanders noch mehr – ist die Jagd politisch gewollt in der Hauptsache eine Freizeitbeschäftigung, die nach relativ geringer Ausbildung ausgeübt werden darf. Das jägerische Handwerk kann jeder in passionierten Lehrjahren gründlich erlernen. Andererseits bieten Jägerschnellkurse an, in wenigen Wochenenden auch ein naturfernes Kurzzeitgedächtnis für die baldige Prüfung hinreichend aufzurüsten." (Arjes, S. 5)

Insider berichten, dass, wer nur über die richtigen Beziehungen verfüge, die Jägerprüfung bereits bestanden habe, und dass man für genügend Geld auch ohne bestandene Prüfung zum Schuss kommen könne. Bei der Führerscheinprüfung fallen mehr Kandidaten durch als beim "Grünen Abitur".

"Die Zahl der Unfälle bei der Jagd sind in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen", schreibt die landwirtschaftliche Sozialversicherung Niedersachsen-Bremen in ihrem Mitteilungsblatt "Sicher leben", Heft 5/2002, S. 11, und verdeutlicht den Leichtsinn von Jägern in einer für die Grünen Abiturienten didaktisch angemessen aufbereiteten Bildgeschichte:

 
Jagd und Alkohol 1

Hier pfeift Jagdneuling Balduin
auf Jagdvorschrift und Disziplin,

Jagd und Alkohol 2

macht trotz Verbot 'ne Flasche leer,
trägt ungesichert sein Gewehr,

Jagd und Alkohol 3

kraucht so durchs Unterholz im Wald,
hängt fest und peng, da hat's geknallt.

Jagd und Alkohol 4

Sein Hut saust weg, Gamsbart halbiert.
Fast wäre Schlimmeres passiert.

HAZ, 1. Sept. 2009

Betrunkene Jäger entwaffnet

Wietzendorf: Zwei sturzbetrunkene Jäger hat die Polizei in der Lüneburger Heide entwaffnet. Nach Angaben vom Montag hatten die 48 und 54 Jahre alten Männer auf einer Wiese in Wietzendorf (Kreis Soltau-Fallingbostel) ihren Rausch ausgeschlafen. Bei sich trugen sie Büchsen und reichlich Munition. Ein Spaziergänger hatte die mit 1,4 und 1,9 Promille Alkohol im Blut nicht mehr ansprechbaren Männer aus dem Landkreis Emsland gegen 19.30 Uhr entdeckt. Die Jäger hatten zuvor in ihrer Jagdhütte gezecht und wollten dann eigentlich Wildschweine jagen. Die Behörden prüfen nun, ob die Männer weiterhin jagen und Waffen besitzen dürfen.

Erlaubte Tierquälerei

Weil es mit ihren Schießkünsten nicht weit her ist, wehren sie sich mit Händen und Füßen dagegen, in regelmäßigen Abständen eine Art Schieß-TÜV absolvieren zu müssen, wie manchmal vorgeschlagen wird. Mancher schießt mit einem Gewehr, das ein Ziel auf 100 m um 25 cm verfehlt (F. T. v. Bothmer, in: CZ, 5. Jan. 2002). Insbesondere wenn sie mit Schrot schießen, verletzen sie viele Tiere, ohne sie zu töten: "Jede vierte Ente lebt mit einer Schussverletzung." (Consiglio, S. 202)

"Nach Untersuchungen in Skandinavien muss man annehmen, dass auf je zwei erlegte Wildgänse eine weitere entfällt, die ebenfalls von Schroten getroffen, aber nicht sofort getötet wurde. Mit anderen Worten: mindestens jede dritte beschossene Gans fliegt verletzt, mit Schroten im Körper, davon. Sie mag überleben. Sie mag aber auch nach längerem Siechtum sterben.
Dänische Biologen nehmen nach Auswertung umfangreichen Untersuchungsmaterials an, dass die Zahl der mit Schrot beschossenen und verletzten Vögel die Zahl der erlegten übertrifft. Sie halten es für wahrscheinlich, dass ähnliche Relationen auch für Schüsse auf anderes Niederwild, etwa Hasen oder Wildkaninchen, gelten können."
(Arbeitsgemeinschaft naturnahe Jagd Schleswig-Holstein)

Zu den Grundsätzen der Deutschen Waidgerechtigkeit, die sie in Sonntagsreden gerne zitieren, gehört es, angeschossenes Wild schnellstmöglich zu verfolgen und zu töten (sog. Nachsuche). Wie die Praxis aussieht, kann man aus dem Folgenden erahnen: "Nachsuchen auf Schwarzwild sind keine Seltenheit. Oft sind sie spannend, manchmal gefährlich, ihr Erfolg ist unterschiedlich." (Pirsch 7/2001, S. 88) Oder deutlicher:

"Wenn es den 'Tierschützern' gelänge, einen vielbeschäftigten Schweißhundführer 'umzukrempeln', wären wir einen Tag später die Jagd endgültig los." (Bernd Krewer, Über Hirsche, Hunde und Nachsuchen, Neumann-Neudamm-Verlag, 1998) Schweiß = Blut. Schweißhunde verfolgen die Blutspur eines angeschossenen  – pardon: "kranken" Tieres.

Auf den Treib- und Drückjagden verteilen sich die Einschüsse über den ganzen Tierkörper. "Wild und Hund" empfiehlt: "Das Schießen sollte nicht auf der Drückjagd selbst geübt werden, sondern auf dem Schießstand oder im Schießkino." (Heft 19/2003, S. 14) "Leider aber begegnen uns auf den Jagden des öfteren Gäste, die als unzuverlässige Schützen bekannt sind und aus Prestigegründen dennoch immer wieder eingeladen werden." (Gendrich, S. 120).

Jäger bekommen Angst!

"Die Saison der Drück-/Bewegungsjagden beginnt, und häufig gehen damit die beunruhigenden Meldungen über Jagdunfälle einher. Manchmal muss sogar über Todesfälle berichtet werden, in letzter Zeit ist die u.a. Verwendung der bleifreien Munition mit ihrem unwägbaren Abprallverhalten und damit verbundenen Unfällen in die Schlagzeilen gekommen. […] Gerade bei den anstehenden Maisdrückjagden ist die Gefahr groß: Hunde und Hundeführer sind im Mais unterwegs, draußen lauern die Schützen, um bei der geringsten Bewegung - manchmal vorschnell - tätig zu werden. So stellt es sich zumindest vielen Jagdteilnehmern dar, die darum laut verkünden, niemals mehr an einer Maisjagd teilzunehmen - aber so muss es nicht sein!"

Verband der Jagdaufseher Niedersachsen, gefunden am 24. August 2008

Flüchtet ein angeschossenes Tier in ein andres Revier, so darf es der Jäger keineswegs sofort verfolgen, sonst wäre er ein Wilderer. In Niedersachsen ist in einer umständlichen Prozedur vorgeschrieben, zuerst den Nachbarjäger herbeizuholen. Wichtiger als das Leid des Tieres ist die Frage, wem die Trophäe und das Fleisch gehören sollen.

Weil die vorherrschende Jagd gegen den Naturschutz und den Tierschutz verstößt, gibt es in jeder Natur- und Tierschutzvorschrift Ausnahmeklauseln, z. B.: Es ist verboten, "ein Tier auf ein anderes Tier zu hetzen, soweit dies nicht die Grundsätze weidgerechter Jagdausübung erfordern" (Tierschutzgesetz, § 3 Nr. 8). Besonders grausam geht es zu, wenn Hunde in Fuchsbaue geschickt werden.

Und eines haben Deutsche Waidmänner sogar mit Muslimen gemein: auch sie dürfen Tiere ohne vorherige Betäubung töten (§ 4).

Tierquälerei durch Jagd mit Fallen

Zur Jagd auf das verhasste Raubwild werden auch Fallen eingesetzt, weil es so bequem ist. Dieses ist nach dem Tierschutzgesetz, § 13, erlaubt. Da gibt es zum einen Fallen, die das gefangene Tier sofort töten sollen.

"In der Regel wird das in die Falle gegangene Tier nicht sofort getötet, es erleidet vielmehr leichte bis schwere Verletzungen, meist Knochenbrüche. Nicht selten bleibt es Stunden oder Tage gefangen, jedenfalls so lange, bis der Fallensteller seine Fallen kontrollieren kommt. In der Zwischenzeit kann es sich nicht vor Hitze oder Kälte schützen, auch nicht vor Raubtieren. Einigen gefangenen Tieren gelingt es, sich zu befreien, aber oft bleibt ein Teil der Pfote in der Falle. Manchmal beißen die Tiere sich selbst die festsitzende Pfote ab, um freizukommen." (Consiglio, S. 206f)

"Ein Problem mit allen Fallen, die augenblicklich zum Tod führen sollen, liegt darin, dass sie nicht selektiv sind. Es gibt sie in verschiedenen Größen, die so ausgelegt sind, dass sie Tiere unterschiedlicher Art auf der Stelle töten. Wenn aber statt der Tierart, auf welche die Falle eigentlich ausgelegt ist, ein Tier einer anderen Art in die Falle geht, dann wird es nicht getötet, entweder, weil es zu groß ist oder weil es nicht an der richtigen Körperstelle getroffen wird." (Consiglio, S. 208f)

Wenn Hunde oder Katzen in eine solche Falle gehen, dann ist klar: Sie haben gewildert! Aber manchmal steckt auch ein neugieriges Menschenkind seinen Arm hinein …

Dann gibt es noch die Lebendfallen, kasten- oder röhrenförmige Gebilde, die eine Art Todeszelle für das Tier sind.

"Fraglich bleibt allerdings, was für ein Tier denn besser sei: unverletzt und am Leben in einer Falle zu sitzen oder möglichst schnell und ohne langes Leiden getötet zu werden." (Consiglio, S. 210)

"Bei der Fallenjagd handelt es sich um eine waidgerechte Hegemaßnahme. Beutegreifer (besonders das Wiesel) werden kurz gehalten und Streuner (besonders wildernde Katzen) ausgeschaltet." (Blase/Pettinger, S. 513)

 

Jägerschicksale

Ein jagender Chirurg fuhr ins Revier. Das Gewehr lag geladen im Auto. Der zweite Fehler des akademisch gebildeten Waidmannes war: Er nahm die Waffe so aus dem Auto, dass die Mündung gegen ihn gerichtet war – peng, da half kein chirurgischer Eingriff mehr.

Professor auf Treibjagd erschossen. – Na ja, kann vorkommen. Weil aber der Dienstherr des Professors, ein deutsches Bundesland, die Zahlung einer hohen Hinterbliebenenrente auf sich zukommen sah, verklagte es den Todesschützen auf Schadenersatz. Die erste Instanz sprach den Todesschützen frei: Der Professor habe gegen bestimmte Regeln der Treibjagd verstoßen, sei also letztlich selber Schuld. Die nächste Instanz hob das Urteil auf: Der Todesschütze hätte besser hinsehen müssen. Und wenn sie nicht gestorben sind, so prozessieren sie noch heute. – Der Gesetzgeber in seiner unendlichen Weisheit zwingt die Jäger zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung, womit Personenschäden bis zu 1 Mill. DM gedeckt sind.

Einen über 70 Jahre alten, Parkinson-kranken Jäger packte nach längerer Pause wieder einmal die Jagdleidenschaft. Aber noch bevor er seinen Hochsitz erreichte, fiel er in eine Jauchegrube. Seine Tochter, die seinen Haushalt versorgt und seine Wäsche waschen musste, soll Maßnahmen gegen eventuelle weitere Ausbrüche der Jagdleidenschaft ergriffen haben – vergeblich! Der alte Tattergreis, der sich kaum alleine ankleiden kann, schießt weiter.

Zwei Jäger verabredeten sich zur Jagd. Am Treffpunkt erschien nur einer. Dieser ging allein ins Revier. Nach einiger Zeit raschelte es im Gebüsch. Der Jäger witterte Beute, drückte ab und erlegte seinen Kameraden.

Ein zu 70% schwerbeschädigter Jäger erschießt sich selbst auf der Fuchsjagd.

Jäger schießt auf einen Fuchs, der sich in seiner Garage versteckt, und verletzt seine Ehefrau mit 30 Schrotkugeln.

Jäger starb an Alkoholvergiftung. Der 42-jährige hatte am Wochenende an einer Treibjagd und später an einer Feier zum Bestehen seiner Jägerprüfung teilgenommen.

Zwei Tage vor Silvester starb ein Jäger nach dem Ende einer Jagd. Zusammen mit einem zweiten verstaute er gegen 1 Uhr nachts Waffen im Auto, als sich ein Schuss löste. Der zweite Jäger hatte 2,04 Promille Alkohol im Blut.

Und hier noch eine Meldung aus Übersee:
Deutscher Waidmann verwechselt in Deutsch-Südwest Deutschen Touristen mit Deutschem Pavian und erschießt anschließend auch sich selbst.

Quellen: Die Pirsch; Land & Forst Heft 47/2000; HAZ; Dt. Jagd-Zeitung; www.stern.de, 13. Jan. 2005 u.a.

Jedes Jahr erschießen Jäger in Deutschland zig-tausende von angeblich oder tatsächlich wildernden Hunden und hunderttausende Katzen, manchmal vor den Augen des Besitzers (Iniative jagdgefährdeter Haustiere). Nach der Rechtsauffassung der Jäger wildert ein Hund schon dann, wenn er ohne Leine herumläuft: Er sei "abstrakt gefährlich". Ein Jäger erzählte mir, er würde den Hunden, die er erschossen hat, das Fell abziehen und an den Eigentümer schicken. Die meisten verbuddeln den Hund sofort an Ort und Stelle.

In aller Öffentlichkeit stellen sie die Frage, ob ihre Mitbürger nicht zu viele Hunde besäßen (CZ 19.4.2001). Jeder Jäger dagegen besitzt mindestens einen und braucht keine oder nur die halbe Hundesteuer zu bezahlen. Im Wald hängen sie Plakate auf mit dem Text "Auch dein Hund wildert" und dem Foto eines Rehs, aus dessen aufgerissenem Bauch das Gedärm hervorquillt. Dass auf manchen Treibjagden bis zu einem Drittel der gehetzten Tiere von ihren Hunden zerrissen wird (Pirsch 26/1998), ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Es werden auch Bullterrier und Pitbulls eingesetzt (Pirsch 17/2000).

"Unbegreifliches Ereignis im Landkreis Berchtesgadener Land"

Ein freilaufender Jagdhund jagte bei einem Bauernhof ein freilaufendes Huhn, um es zu "apportieren". Der Bauer erstach ihn mit einer Mistgabel. Seine "rohe Tat" wurde angezeigt. Der Bauer zeigte "keinerlei Mitgefühl" (Pirsch 8/2000).

Mein jagender Nachbar lässt seine drei Jagdterrier ständig im Dorf herumstreunen, wo sie andere Hunde und Radfahrer anfallen.

Auch die Celler Verkehrspolizei belügt die Öffentlichkeit …

Die wachsenden Wildbestände führen zu vermehrten Verkehrsunfällen durch Wild. Der ADAC hat nachgerechnet, dass sich seit 1990 die Zusammenstöße mit Wildschweinen in Deutschland verzehnfacht haben (HAZ, 31. Jan. 2002). Rehe würden "im Regelfall Straßen kaum kreuzen, wenn sie dazu nicht durch Überhege und falsche Bejagung gezwungen wären" (Bode/Emmert, S. 174). Denn jeder Rehbock beansprucht ein Territorium exklusiv für sich und vertreibt Nebenbuhler. Je stärker die Übervölkerung, desto heftiger die Kämpfe und Verfolgungsjagden. Der Öffentlichkeit erzählen die Jäger lieber die rührselige Geschichte vom liebestollen Bock, der "blind vor Liebe" der Ricke hinterher vors Auto läuft. Die Jäger bitten um "angepasste Geschwindigkeit, besonders an Wald- und Feldrändern", also überall (CZ, 18. Juli und 16. August 2008). Auch Spaziergänger verursachen Wildunfälle: "Sie schrecken das Wild auf, das fluchtartig das Weite sucht." (CZ, 28. März 2009)

Im Kreis Celle gab es im Jahr 1990 856 gemeldete Wildunfälle, das entsprach einem Anteil von rund 16 %. Damit war das Wild hier die zweit- oder dritthäufigste Unfallursache.

" 'Das ist der höchste Wert in den vergangenen Jahren. Sonst liegt die Zahl der Wildunfälle immer um die 700', erzählt Helmut Genthe, Verkehrssicherheitsexperte der Celler Polizei. […] Die Maßnahmen zur Unfallverhütung sind nach Ansicht Genthes ausgereizt. 'Wir arbeiten eng mit Jägern zusammen. […]' " (CZ, 10. Okt. 2002)

Gefahr! Wildwechsel!

Immer noch ein häufiges Schild im Kreis Celle. Listig wie die Jäger nun einmal sind, haben sie inzwischen dafür gesorgt, dass das 70 km/h-Schild hundert Meter entfernt aufgestellt wurde.

Der letzte Satz ist eine typische Jägerlist: Genthe verschweigt geflissentlich, dass er selbst Jäger ist. Deshalb fordert er seine Jagdkumpel, von denen viele Polizisten sind, auch nicht zur Senkung der überhöhten Wildbestände auf, sondern empfiehlt den Autofahrern ein Sicherheitstraining bei der Verkehrswacht für nur 70 Euro, um zu lernen, wie man richtig (?) reagiert, wenn ein Tier plötzlich 20 Meter vor dem Fahrzeug auftaucht.

"Eine eigene Statistik zu Wildunfällen veröffentlichen Genthe und seine Kollegen schon seit zwei Jahren nicht mehr. Nicht weil sich das Problem entschärft hätte." (ebd.)
"Bis vor kurzem warnten unzählige Schilder vor der haarigen Gefahr. Über Sinn und Unsinn dieser Massen-Beschilderung befaßte sich eine Verkehrssicherheitskommission und kam zu dem Schluß: Der Schilderwald wird abgeholzt. Denn gerast wird sowieso." (CZ, 7. Jan. 1999)

"Bei 70 Prozent aller Unfallschwerpunkte mit Wild wird der Autofahrer nicht durch Verkehrsschilder gewarnt", schreibt der ADAC in Bezug auf ganz Deutschland (ADAC Motorwelt 5/2010, S. 38)

Die Jäger warnen: "Dem Leittier, das der Fahrer im Lichtkegel seiner Schweinwerfer sieht, folgen meist drei bis fünf Tiere nach. Es empfiehlt sich: Fernlicht aus, anhalten und warten." (bis zum Morgengrauen? – Celler Blickpunkt, Okt. 2002). Zugleich geben sie den fürsorglichen Rat, ein Ausweichmanöver erst gar nicht zu versuchen, sondern das Tier "möglichst mit der Mitte des Wagens zu treffen. So wirkt das Wild wie eine Bremse." (CZ, 6. Okt. 2001). Immerhin hängen sie Reflektoren an den Straßen auf (z. B. ausgediente CDs), die das Wild gleichermaßen wie die Autofahrer verwirren.

ADAC-Motorwelt, Dez. 2006

… und der ADAC schenkt den Jägern Geld

Mittlerweile ist im Kreis Celle (wie auch im Nachbarkreis Uelzen) jeder dritte Verkehrsunfall ein Wildunfall und das Wild mit deutlichem Abstand zur häufigsten Unfallursache überhaupt aufgestiegen. In der amtlichen Statistik taucht es trotzdem nicht auf! Die Rekordzahl von 954 Wildunfällen in 2007 wird nur mündlich als Zusatzinformation mitgeteilt (CZ: "Die Moral der Celler Autofahrer sinkt", 5. März 2008).

Die Reflektoren haben nichts geholfen. Genthe und sein Freundeskreis versuchen es nun mit Gestank: Man verbreitet Gerüche, die das Wild glauben lassen sollen, dass Raubtiere auf den Straßen herumliefen.

"Das Wild wird den Wechsel weiterhin vornehmen, allerdings viel vorsichtiger", sagt ein gewisser Fedrowitz vom ADAC (CZ, 12. April 2007).

"Der ADAC bietet künftig allen Jägern im Landkreis Celle an, sie bei der Unfallvorbeugung zu unterstützen. Ein Koffer mit dem Duftschaum, dem Duftstoff-Konzentrat und der Spritzpistole kostet 200 Euro, Kosten, die der ADAC einmalig übernehmen will. […] Einige Jagdpächter wie etwa Kreisjägermeister Hans Knoop befürchten, dass sich das Wild auch an die Duftstoffe gewöhnen könne und dann wieder unbeirrt auf die Fahrbahn läuft. Das glaubt der Automobilclub aber nicht." (ebd.)

Ein Jahr später verkünden die Jäger, "dass trotz der im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit dem ADAC verstärkt eingesetzten Duftzäune die Zahl der Verkehrsopfer speziell beim Rehwild nochmals angestiegen ist" (CZ, 31. Mai 2008). Die Idee mit dem Duftzaun ist ein schon fünfzehn Jahre alter Hut (vgl. Zeitschrift für Jagdwissenschaft, 40. Jgg (1994), S. 91-108). Am 10. März 2010 schreib die CZ, dass zur Senkung der Wildunfälle "erste Gespräche" zwischen Jägern und Behörden stattgefunden hätten …

"Weitere Verfehlungen belasten die politische Karriere des zurückgetretenen NRW-Verkehrsministers Oliver Wittke (CDU). Der 42-Jährige war bisher durch wiederholte Raserei (zuletzt 109 km/h innerhalb geschlossener Ortschaft) und zweifachen Führerscheinentzug aufgefallen. In seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit musste Wittke nach FOCUS-Informationen auch zweimal Bußgelder bezahlen, weil Polizeistreifen ihn bei Handy-Gesprächen am Steuer seines Autos erwischt hatten. Seinen Führerschein verlor der flotte Unionsmann das erste Mal vor etwa 20 Jahren: wegen Alkohols am Steuer." (FOCUS 8/2009, S. 16)

Offensichtlich ziehen auch beim ADAC Jäger die Strippen. "Wildunfälle vermeiden - aber wie?" hieß der scheinbar naive Titel einer Tagung im April 2008, die der ADAC gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat und dem DJV, dem Dachverband aller Deutschen Jagverbände, veranstaltete. Der Schirmherr der Veranstaltung, Wittke, ist passenderweise selbst Jäger und war damals Verkehrsminister (siehe Kasten rechts). Herr Wittke hat dafür gesorgt, dass sein Hobby keinen Schaden leidet: "Es gilt, die Datenlage zu verbessern und Statistiken zu vereinheitlichen", das war das welterschütternde Fazit der Veranstaltung (ADAC-Motorwelt 5/2008). Außerdem tritt ausgerechnet der ADAC, dem Tempolimits sonst ein Gräuel sind ("Freie Bürger fordern freie Fahrt"), für ein Tempo von weniger als 80, am liebsten von 40 km/h auf Landstraßen in waldreichen Gegenden ein! (ebd.)

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium ist schon immer in der Hand der Jäger. Wenn neuerdings sogar der Kreisjägermeister Celle auf die Möglichkeit einer zwangsweisen Verringerung des Wildbestandes "mit Rücksicht auf das allgemeine Wohl" (§ 27 Bundesjagdgesetz) hinweist, wenn Revierinhaber ihre jagdlichen Pflichten nicht freiwillig erfüllen, erhält er eine Abfuhr von höchster Stelle:

"Doch das Landwirtschaftsministerium in Hannover sieht derzeit dafür keinen Anlass. 'In Notfällen wie bei der Schweinepest gibt es die Zwangsmöglichkeit zur Jagd', hält Gert Hahne, Pressesprecher des Ministeriums, die Gesetze für ausreichend. Wildschweine könnten aber nicht wie andere Schädlinge bekämpft werden." (CZ, 26. Okt. 2007) Dr. Hahne jagt schließlich selbst gern Wildschweine, wenn es ihm sein stressiger Job erlaubt, z. B. im ehemals königlich-kaiserlichen Staatsjagdrevier Saupark Springe im Deister. Ansonsten ist er mit seinem Minister Ehlen, der den Beinamen "für Verbraucherschutz" trägt, einer Meinung, dass die Namen von Gammelfleischhändlern besser geheim bleiben. Genauso geheim wie die Funde von Dioxin und PCB auf Viehweiden an der Ems im Sommer 2007, was erst ein Jahr später an die Öffentlichkeit drang. Dioxinverseuchte Schafleber war weiterhin als "Delikatesse" verkauft und mit Genuss verzehrt worden – es lebe der Jagd- und Agrarfabrikstandort Niedersachsen! Schließlich ist dioxinverseuchte Milch aus Mutters Brust für Säuglinge immer noch besser als dioxinärmere Kuhmilch aus der Nuckelflasche.

CZ, 7. Dez. 2002

Tempolimit wegen Wildschweinen

Northeim. Als Schutz vor Wildunfällen hat die Bezirksregierung Braunschweig den Landkreis Northeim angewiesen, auf der Bundesstraße 3 bei Salzderhelden ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern zu erlassen. Dort habe es in letzter Zeit häufig durch Wildschweine verursachte Verkehrsunfälle gegeben, begründete gestern ein Sprecher der Bezirksregierung Braunschweig dies.

Auch Tempo 30 schützt nicht vor Wildunfällen …

"Autofahrer sollten auch in Celle auf Wild achten. […] Selbst in stadtnahen Gebieten kommt es zu Wildunfällen. So ist in der Fischerstraße in der Tempo-30-Zone im Bereich der Fuhsebrücke regelmäßig Rehwild direkt an der Straße zu beobachten. Dort ist es zwischen der Brücke und der Westerceller Wohnbebauung im vergangenen Jahr zu einem Wildunfall gekommen. Glücklicherweise hatte die Fahrerin die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten, sonst wäre Personenschaden wahrscheinlich gewesen." (CZ, 14. Mai 2005)
Vorsicht Wildwechsel

… trotzdem sind immer nur die Autofahrer schuld

"Über 200 000 Wildtiere fielen zwischen April 2003 und März 2004 dem Straßenverkehr zum Opfer. Dies sei eine Zunahme um knapp ein Fünftel, teilte der Auto Club Europa (ACE) mit. 180 000 der getöteten Tiere waren Rehe. Nach Angaben des Deutschen Jagdschutz-Verbandes haben Wildunfälle 2003 einen Schaden von 456 Millionen Euro verursacht. Der ACE forderte die Verkehrsteilnehmer auf, Wildwechsel-Warnschilder zu beachten und an diesen Stellen langsamer zu fahren." (Land & Forst 25/2005) Und es geht weiter aufwärts: Von 2007 auf 2008 nahm z. B. die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Wildschweine um mehr als ein Drittel zu, teilt der DJV im Herbst 2008 mit. Dabei haben die Grünen Abiturienten auch im Physikunterricht geschlafen:

"Schon bei Tempo 50 prallt ein 80-Kilo-Keiler mit 2 Tonnen auf ein Fahrzeug. Das entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Nashorns." (Borchert, DJV-Vorsitzender)

80 kg = 2000 kg. Masse = Gewicht = Impuls. 1 Wildschwein = 1 Nashorn. 1 Borchert = 1 Kamel.

Auch Radfahrer fahren zu schnell …

Die CZ berichtete am 3. und 5. Dez. 2009, dass ein Radfahrer morgens auf dem Weg zur Arbeit am Dorfrand von Müden (Örtze) mit einem Reh zusammenstieß und sich drei Rippen brach.

… ebenso die Hamburger U-Bahn

Im Januar 2010 brachte ein Wildschwein einen Zug der Hamburger U-Bahn zum Entgleisen. (Was die Jäger in und bei Hamburg noch angerichtet haben, kann man hier nachlesen.)

"bundesweit einmaliges Projekt"

Wenn es darum geht, von eigenen Verfehlungen abzulenken, ist die Phantasie der Jäger schier unerschöpflich. Jedes von Jägern aufgestellte rote Holzgestell markiert einen (gemeldeten) Wildunfall aus den vergangenen drei Monaten — hätten Sie's gewusst? Die Straße führt nach Hösseringen. Hösseringen nennt der Kreisjägermeister Celle eines von mehreren Rotwild-"Ballungsgebieten" (CZ 8. März 2008), und der Chef des benachbarten staatlichen Forstamts Unterlüß prangert an, dass in den umliegenden Revieren "die Erwirtschaftung von Jagdpachten im Vordergrund stehe" (Land & Forst 11/2010, S. 62), weswegen der Wald großflächig verbissen sei.

Deutschlands Autobahnen sind heute weitgehend eingezäunt. Die Zäune "gehen seit neuester Zeit zu Lasten des Bundesfernstraßenhaushaltes", stellen Blase/Pettinger 1988 befriedigt fest (S. 194). Damals waren es erst 900 km. Da aber Zäune dem heiligen Hirschen die Lust zum Wandern nehmen, erheben seine Verehrer immer lauter die Forderung nach speziellen, 50 bis 100 m breiten Wildbrücken, Stückpreis 2 bis 3 Mill. Euro, und Wildtunneln. Das trägt absurde Blüten:

An einer Wildbrücke über eine Thüringer Autobahn wurde gezählt, wie häufig sie die Tiere benutzen: Hirsche nur siebenmal in zwei Monaten, die verhassten Füchse dagegen über hundertmal (Antwort des thür. Landwirtschaftsministers auf eine parlamentarische Anfrage, Dez. 2003).

"Obwohl unbewiesen ist, dass Wildbrücken ihren Zweck erfüllen, werden sie weiter gebaut." (Süddeutsche Zeitung, 16. April 2009)

"Beim Bau der Autobahn zwischen Dresden und Prag sollte für zehn Millionen Euro ein Tunnel gebaut werden, damit das Wild gefahrlos die Trasse queren kann. Nur: Die schützenswerten Birkhühner halten sich dort nicht auf. Die Umgebung ist landwirtschaftlich geprägt 'ohne bedeutende Tiervorkommen'. Der Tunnel wird nun nicht gebaut." (auf Intervention des Bundesrechnungshofes; HAZ, 14. Dez. 2005)

Der ADAC stößt ins selbe Horn wie die Jäger: Es gebe nur 36 Wildbrücken in Deutschland, 30 000 wären nötig (ADAC-Motorwelt, 4/2008); macht lächerliche 60 000 000 000 Euro. Da wäre der konstruktive Vorschlag eines Jägers der alten Schule billiger: "An Straßenrändern muß ein 6 Meter breiter Sichtstreifen freigelassen werden." (Blase/Pettinger, S. 195) Das werden wir so wenig erleben wie dass die vielen jagenden Top-Manager von Porsche, Daimler, BMW und VW sich gegen den Neubau von Autobahnen aussprechen.

Wenn trotz Zaun und Tunnel Wildschweine auf der Autobahn herumlaufen - wer ist dann Schuld? Der Zaun!

Vom Zaun in die Enge getrieben

"Wilde Jagdszenen haben sich am Sonnabendvormittag auf der A 2 im Hämelerwald abgespielt: Eine Rotte Wildschweine mit 25 Tieren hatte einen Zaun durchbrochen und drei Unfälle verursacht. […] Ausgelöst hatte das Chaos vermutlich eine sogenannte Drückjagd in dem südlich der Autobahn gelegenen Teil des Waldgebietes. Hunde scheuchten die Wildschweinrotte im Hämelerwald offenbar auf und versetzten sie derart in Panik, dass das fast 90 Kilogramm schwere Leittier einen Wildschutzzaun an der A 2 durchbrach. […] Laut Petersen [Revierförster und Jäger] hat sich die Rotte wohl wegen einer Ecke in dem sonst geraden Zaun in die Enge getrieben gefühlt. Möglicherweise haben Jäger auch in der Nähe eines Wildtunnels, einem Durchlass unter der A 2, geschossen und so die Sauen verschreckt. Der Revierförster will sich dafür einsetzen, dass so etwas nicht mehr geschieht. Die Polizei vertritt die Ansicht, dass es nicht mehr zu klären sein wird, welche Sau warum auf die Autobahn lief." (HAZ, 3. Nov. 2003)

"Erneut Hirsche auf der A 7" bei Westenholz, trotz Zaun (HAZ, 19. Okt. 2006).

So sieht es aus, wenn Jäger Wildbestände regulieren!

Schweinepest

Wildschweine verbreiten immer wieder die Schweinepest, eine für Haus- und Wildschweine tödliche Krankheit, die allein 1994 in Niedersachsen einen Schaden von 1,5 Mrd. DM verursachte. Damals kam der kühne Vorschlag auf, die Fütterung von Wildschweinen zu verbieten. Die jägerfreundliche Lösung sieht dagegen so aus: Die Behörden und die landwirtschaftlichen Tierseuchenkassen – letztere müssen den von der Schweinepest heimgesuchten Bauern Entschädigung zahlen – schenken den Jägern Geld für eine Schluckimpfung der Wildschweine. So können die Bestände weiter steigen, die Folgekosten zahlen andere. Noch jägerfreundlicher ist Rheinland-Pfalz: Hier übernahm das Land die Kosten einer dreijährigen Impfaktion in Höhe von 5,7 Mill. Euro vollständig (Dt. Jagd-Zeitung, Feb. 2006). Auch 2006 und 2007 wurde auf Kosten der Allgemeinheit weiter geimpft, gesamte Kosten seit 2002: mehr als 7 Mill. Euro (ÖJV).

In vielen europäischen Ländern sind die Wildschweine schon vor Jahrhunderten ausgerottet worden; inzwischen beobachten dänische Schweinezüchter mit Sorge, dass deutsche Wildschweine auf die Staatsgrenze zu marschieren, und wollen für jedes in Schleswig-Holstein (!) erlegte Wildschwein eine Prämie von 250 Euro zahlen. Das ist mehr, als ein Hausschwein einbringt. Dazu der Landesjagdverband Schleswig-Holstein: "Die Angst der Dänen ist völlig überzogen." (CZ, 10. Aug. 2002) Denn auch Wildschweine adeln ein Jagdrevier zum Hochwildrevier.

Zur selben Zeit beschloss das niedersächsische Landwirtschaftsministerium ein "umfassendes Maßnahmenpaket", nachdem allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2002 27 neue Wildschweinepestfälle aufgetreten waren: Die Schweinehalter werden verpflichtet, ihre Höfe wildschweindicht einzuzäunen, was "eine erhebliche Belastung" sein kann – für die Bauern. Die Jäger brauchen nichts zu tun. Falls sie sich einmal dazu herablassen, ein junges Wildschwein (Frischling) mit bis zu 10 kg Gewicht abzuschießen, bekommen sie 50 Euro geschenkt. Das bezahlen je zur Hälfte die Tierseuchenkasse und der niedersächsische Steuerzahler (Landvolk, 16. Aug. 2002). Mit erwachsenen Wildschweinen kann man mehr Geld machen: Üblicherweise zahlen Gast-Jäger 200 Euro für die bloße Teilnahme an einer Treibjagd; die erschossenen Schweine werden gesondert abgerechnet: "Allein für das 'Gewaff' (Eckzähne) eines 80-Kilo-Keilers muss der Schütze 600 Euro zahlen und das Fleisch dann noch mal extra pro Kilo." (CZ, 7. März 2009)

Man sollte den Jägern das Bundesjagdgesetz um die Ohren schlagen:

"Die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes […]. Die Hege muß so durchgeführt werden, daß Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden." (aus § 2)
"Der Abschuß des Wildes ist so zu regeln, daß die berechtigten Ansprüche der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft auf Schutz gegen Wildschäden voll gewahrt bleiben […]." (aus § 21)

Es wäre so einfach:

"Bereits bei einer Wilddichte von zwei Sauen (Wildschweinen) je 100 Hektar Frühjahrsbestand ist eine verstärkte Seuchenverbreitung zu erwarten. Demgegenüber kommt es bei Schwarzwilddichten von weniger als einem Tier pro 100 Hektar zum natürlichen Abreißen (Unterbrechen) eines Infektionsgeschehens und damit zum Erlöschen der Seuche." (Kaden und Müller, Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, unter Verbraucherministerin Künast im Internet veröffentlicht: http://www.verbraucherministerium.de/forschungsreport/rep1-01/schwarzwild.htm, jetzt nur noch über archive.org - http://web.archive.org/web/20030820001804/http://www.verbraucherministerium.de/forschungsreport/rep1-01/schwarzwild.htm)

"Je geringer die Wilddichte, desto gesünder ist der Wildbestand." (Schulte, S. 29)

Die Jäger – mit Ministern und Ministerpräsidenten in den eigenen Reihen – können sich taub stellen:

"Unzweifelhaft stellen Jagden mit großen Schwarzwildstrecken Höhepunkte und Glanzlichter im jagdlichen Jahresablauf dar. Wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten. (Nds. Landesjagdbericht 2004, S. 77)

Ein totes Schwein reicht nicht – es müssen schon Berge von Leichen sein.
CZ, 22. Dez. 2008

Jäger kriegen Wildschweinplage nicht in den Griff

Trotz hoher Abschusszahlen steigt die Population an

[…] 'Die höheren Abschussquoten zeigen, dass sich der Dialog mit den Jägern auszahlt', sagt LM-Sprecher Gerd Hahne. […] Letztlich würden die Jäger immer noch ein Hobby betreiben und Zwang sei gegenwärtig keine Option.

Spaziergänger raus aus dem Wald!

Aus dem finanziellen und sonstigen Aufwand, den sie treiben, und aus dem gesetzlich garantierten Monopol am Töten (licence to kill) von Tieren in der freien Natur leiten die "Götter in Grün" das Monopol an der Natur als Ganzer ab. Immer mehr Wege werden im Interesse der Jäger gesperrt mit der Begründung, das Wild werde zu sehr gestört. Noch der harmloseste Spaziergänger gilt ihnen als Störer.

Das ist dreist: Die Jäger "stören" es am meisten!

"Vieles Pirschen vergrämt das Wild." (Schulte, S. 270) Eine wissenschaftliche Untersuchung hatte zum Ergebnis, dass in 94% aller Fälle die Jäger selbst Rehwild zur Flucht veranlassten. Zu 2% waren es Forstarbeiter. Nur zu 4% waren es Erholungsuchende.

Das Wild ist lernfähig und weiß, von wem Gefahr droht und von wem nicht. Der Forstunternehmer Wilhelm Pröhl schildert einige Erlebnisse aus seiner vierzigjährigen Berufserfahrung:

"Start der beiden Forstmaschinen: Laut dröhnen die Turbomotoren durch die Wälder. Nach etwa fünfzig Meter Fahrt mit dem Forwarder wechselt eine Rotte Wildsauen von rechts nach links über die Waldschneise, bleibt nach zehn Metern in der lichten Douglasienschonung stehen. Obwohl mit zwei Maschinen ständig ein weithin hörbarer Lärm entstand, hielt sich diese Rotte bis gegen Mittag in unserer Nähe in der durchsichtigen Schonung auf. Mir kam es vor, als wüssten die intelligenten Tiere, dass ihnen hier keine Gefahr droht."

"Die beiden 100 PS-Turbodiesel der Forstmaschinen dröhnten weithin hörbar durch die morgendlichen Wälder, als mir plötzlich ein Rudel Rotwild einen Besuch abstattete. Es war ein Familienclan, der aus einem ergrauten Alttier und neun weiteren Familienmitgliedern, aus Töchtern, Enkelsöhnen und -töchtern, bis hin zu den diesjährigen Kälbern, den Ur-Urenkeln bestand. […] Die Tiere kamen ganz ruhig bis auf etwa zwanzig Meter an meine Maschine heran. Sie blieben stehen und fraßen hier und da an den Blaubeersträuchern, die jetzt schon reife Früchte trugen." (Wilhelm Pröhl, Aug in Aug mit Wildtieren, in: Freiheit für Tiere, Heft 4/2005, S. 30f)

In Wahrheit wissen die Jäger selbst, dass das unglaublich scheue Rotwild gar nicht so scheu ist, wie sie in der Öffentlichkeit ständig behaupten: "Merkwürdigerweise gewöhnt es sich auch an Dauerlärm z. B. an Treckerlärm und an Schüsse bei Sprengungen." (Blase/Pettinger, S. 173) Aber den alten Grundsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, bekam auch Wilhelm Pröhl zu spüren:

"Für eine große deutsche Forstzeitschrift schreibe ich in unregelmäßigen Abständen Beiträge über forsttechnische Ereignisse und Erlebnisse der vergangenen 40 Jahre. So schrieb ich einen Beitrag über die Verständigung zwischen Forstunternehmern und Jägern. Allerdings wusste ich nicht, dass der Chefredakteur ebenfalls Jäger ist. Postwendend erhielt ich eine e-mail, worin dieser schrieb: 'Lieber Wilhelm, deinen Beitrag kann ich leider nicht veröffentlichen, da die Fakten nicht stimmen! Fakt ist …' Dann zählte er auf, wer alles das Wild vergrämt – außer den Jägern natürlich: '… Spaziergänger, Reiter, Jogger, Fahrradfahrer, Pilze- und Beerensammler, Hundehalter, Foto- und Filmfreunde – alle vertreiben sie das Wild! – Man bekommt nichts mehr zu sehen. Das Wild ist nur noch nachtaktiv!' " (Wilhelm Pröhl, ebd.)

Nds. Landesjagdbericht 2005, S. 18

"[…] permanente Ansitzjagd als ausschließliche Methode führt gebietsweise zu einem Jagddruck, der diese Tierart [Rotwild] veranlaßt, den Raum zu verlassen. Ist der Jagddruck aber großflächig permanent gegeben, wird das an sich tagesaktive Rotwild zwangsläufig zum Dämmerungs- und Nachttier. Ebenso zwangsläufig sättigen sich die Tiere dann tagsüber meist mangels anderer verfügbarer Nahrung in der Deckung durch Schäle und Verbiß." (Helmuth Wölfel, Turbo-Reh und Öko-Hirsch, Graz, Stuttgart 1999, S. 148)

Die Intelligenz von Schweinen ist sprichwörtlich, ebenso die der Krähen:

"Wer die Jagdplätze mit dem Auto anfahren will, muss es gut tarnen. Die Krähen kennen es genau und wissen, dass ihr Feind nicht weit ist." (Wild und Hund 15/2003, S. 104)
Raesfeld/Frevert nennen den Rehbock "listiger, verschlagener Geselle":
"Sie kennen sich beide; – aber der Bock den Jägerlehrling weit besser als dieser ihn. […] auch der erfahrene Waidmann hat manchmal daran eine harte Nuß zu knacken". (S. 39)
Es sind also die Jäger, die das Wild scheu machen. Sie versetzen das Wild in einen andauernden Kriegs- und Belagerungszustand. Im Schweizer Nationalpark ruht die Jagd seit über 80 Jahren. Dort hat das Wild vergleichsweise wenig Scheu vor Menschen und versteckt sich tagsüber nicht.
"Ganz anders als in deutschen oder österreichischen Revieren verhält sich dieses, da ja seit Jahrzehnten nicht mehr bejagt, völlig tagaktiv. […] Es ist nicht außergewöhnlich, wenn der Besucher von einem Rastplatz aus 30 oder 40 Hirsche gleichzeitig im [Fern-] Glas hat." (Pirsch 21/2000, S. 96).
Reh und Rothirsch sind ursprünglich keine Waldtiere, sondern in der offenen Landschaft oder am Waldrand beheimatet. Nur der Bejagung wegen verstecken sie sich tagsüber im Wald, wo sie dann Blätter und Knospen von den Bäumen fressen oder Rinde abschälen und so großen Schaden anrichten. Ab Februar bis Ende April sieht man Rehe rudelweise auf den Äckern und Wiesen, auch in unmittelbarer Nähe der Dörfer. Ab Mai sind sie plötzlich verschwunden – dann beginnt die Jagd auf die Böcke, danach die Jagd auf die Ricken und Kitze, die bis Ende Januar dauert.

Es gibt sogar Jäger, die zugeben, dass ein Reiter das Wild weniger beunruhigt als ein Fußgänger. Der Hass der meisten Jäger auf die Reiter hat nichts mit Tatsachen, sondern eher damit zu tun, dass sie versuchen, weitverbreitete Vorurteile gegen Reiter ("Herrenreiter" und "Reiter machen die Wege kaputt") auszunutzen.
 
Jagd mit Pferd: Ridinger, Federschütze mit dem Schießpferde "Der Pürsch- und Jagdwagen wird langsam ein Requisit vergangener Zeiten. Das Pferd ist weitgehend vom Auto verdrängt, und doch gehört das Fahren mit dem Pferdewagen durchs Revier zu dem Schönsten, was es gibt. Das Wild hält den Wagen gut aus, so daß man ohne zu stören in aller Ruhe beobachten kann – vorausgesetzt allerdings, daß niemals vom Wagen geschossen wurde – man kann jeden Weg benutzen und ist nicht auf eine befestigte Straße angewiesen, und gleichzeitig genießt man die Freude des Pferdeliebhabers, zwei edle Tiere im flotten Trab lenken zu können. Eine versunkene Romantik, die der Motor vernichtet hat. Heute fährt alles mit dem Kraftwagen zur Jagd." (Raesfeld/Frevert, S. 229)
Spottvers aus der Zeit vor 100 Jahren, als es noch keine Geländewagen mit Allradantrieb gab:
Moderne Pirsch
Nimmersatt,
Aus der Stadt,
Fein und glatt,
Fernrohr hat,
Auge matt,
Bläst das Blatt,
Pirscht zu Rad,
Schießt sich satt.

"Außergewöhnliche Jagdmethoden auf den Rehbock"

"Um schnell und bequem in die möglichst wildnahe Ausgangsposition zum Anpirschen/Anschleichen zu kommen, wurde einst das Pferdefuhrwerk genutzt. Heute haben Geländeauto oder motorisiertes Zweirad die Transport-Funktion übernommen. Ein Fahrer gehört dazu, der den Jäger an der zweckmäßigsten Stelle absetzt und dann mit dem vom Wild argwöhnisch beobachteten Gefährt wieder davonknattert. Die allgemeine Motorisierung schließt allerdings nicht aus, auch heute noch Haustiere in den Dienst der Jagd zu nehmen, z. B. Pferde. Dort, wo die Rehe Pferde kennen, etwa in der Nähe von Gestüten, Reiterhöfen oder Haltern von Rückepferden, erleichtert ein solches Haustier das Anpirschen sehr. Mit gutem Wind und stets in Deckung des Pferdekörpers gelingt das Sich-den-Rehen-Nähern im allgemeinen recht gut." (Jäger Nr. 5/2000, S. 74-76)

Verständlich, dass ein gestresster Geschäftsmann mit randvollem Terminkalender, wenn er um 17 Uhr 30 den Hochsitz besteigt, erwartet, dass ihm der sprichwörtliche "Sechs-Uhr-Sechser-Bock" pünktlich vor die Büchse läuft. Kommt um 17 Uhr 45 ein Spaziergänger, Radfahrer oder Reiter vorbei, sieht er sich um den gerechten Lohn seiner Mühen betrogen. Mancher führt sich dann auf wie ein Gutsherr: Wer im Tierreich Herr über Leben und Tod ist, der …

Nähert man sich einem Hochsitz, geben sie manchmal einen Warnschuss ab und klären darüber auf, wie weit ihre Kugeln fliegen können: 5 km! Sie warnen Reiter ohne Scham davor, wie leicht sie ein Pferd mit einem Hirschen verwechseln könnten. Sie spannen zuweilen dünne, kaum sichtbare Drähte in Halshöhe des Reiters über die Wege. Den Bau von Radwegen in der freien Landschaftaft boykottieren sie mit dem Spruch: Wir mögen "keinen Rummel im Revier" (CZ, 27. Apr. 2000); gegen Radler graben sie auch Fallgruben in Radwege (Süddeutsche Zeitung, 11. Dez. 2006) oder lassen zumindest Wegweiser für Radler verschwinden (wie im Naturpark Südheide).

"Fuchsbandwurm – größte Gefahr geht vom Hund aus
Heidelbeeren und andere Waldfrüchte werden zu unrecht mit der Übertragung des Fuchsbandwurms in Verbindung gebracht, wie eine aktuelle Studie belegt. […] Der Hund ist ein guter Wirt für den Fuchsbandwurm, deshalb müssen Hunde alle drei Monate entwurmt werden."
(Die Welt, 20. Juli 2007)

Aber sie greifen auch zu subtileren Mitteln. Gerne greifen sie Meldungen über den Fuchsbandwurm auf, um sie dramatisch zu übersteigern und ihren Mitbürgern die Lust am Beeren- und Pilzesammeln zu vergällen.

Warnungen vor Zeckenbissen ergehen pünktlich zum Beginn der Jagdzeit auf den Rothirsch am 1. August (leider gleichzeitig Höhepunkt der Urlaubs- und Beginn der Pilzsaison) und nicht schon im März – dann ist nämlich noch Schonzeit.

Sie erzählen Schauermärchen über Spaziergänger, die im Winter das – angeblich – völlig entkräftete Wild in den Erschöpfungstod hetzen und auch schuld daran sein sollen, wenn das Wild Würmer hat. In Internet-Foren (z. B. http://jagd.de/treff/forum/diejagd) diskutieren sie ganz offen die erfolgreichsten Methoden, "Pilzesucher und anderes unnützes Gewürm" loszuwerden: Strafanzeige, Warnschuss oder Warnschilder "Vorsicht Kreuzotter"? Oder doch lieber das verständnisvolle, mitmenschliche Gespräch suchen? (Historischer Exkurs: Jägerterror Anno 1936)

vierfach gesperrter Weg
Zeckenalarm gesperrter Weg mit Hochsitz

Hannoversche Jäger haben Angst vor Zecken!

"Das Risiko, nach einem Biss an einer Borreliose zu erkranken , hält der Mediziner [Amtsarzt Behrends] für eher gering - und das, obwohl ein Fünftel bis ein Viertel der Tiere die krankheitsverursachenden Borrelien in sich tragen. 'Wir nehmen an, dass nur einer von Hundert Zeckenstichen zu einer Erkrankung führt', sagt Behrends. Die Wahrscheinlichkeit, an der gefürchteten Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung zu erkranken, ist in der Region Hannover sogar gleich null.
[…]
'Im Stadtforst Mecklenheide herrscht derzeit ein Zeckenaufkommen, wie ich es bislang noch nie erlebt habe', berichtet Tobias Schele, Vorsitzender der Jägerschaft. Nur mit kniehohen Gummistiefeln und einer dicken Schicht Insektenschutzcreme auf der Haut wagt sich der Waidmann dort ins Unterholz. 'Alles andere wäre schlichtweg töricht.' "
(HAZ, 5. August 2009)

Da wird eine "Tourismus Region Celle GmbH" gegründet, da werden Tourismus-Konzepte erarbeitet und mit Steuergeldern gefördert – und gleichzeitig verbarrikadieren die Jäger den Naturpark Südheide. Die zuständigen Behörden, die das dulden, sind mit den Jägern verfilzt. Denn hier leben "Hirsche der internationalen Spitzenklasse" (CZ, 4. März 2002), die zu Spitzenpreisen zum Abschuss verkauft werden.

0,4 % der Bevölkerung sind mit wachsendem Erfolg dabei, die anderen 99,6 % aus dem Wald zu vertreiben.
 

Warum jagen Jäger?

Der kleine Unterschied: Schlachter lassen sich fürs Töten bezahlen. Jäger bezahlen, um töten zu dürfen.

"Der Jäger empfindet Freude an der Jagd. Das sind Erleben und Beobachten der Natur und das helfende Eingreifen. Dazu gehört auch das Erlegen von Wild. Freude an der Beute bedeutet nicht Lust am Töten, sondern Freude an der Pirsch, die oft mühsam ist und Geduld erfordert." (DJV, Jagd heute, S. 17)

Deutsches Waidwerk in höchster Vollendung betrieb der damalige Präsident aller Deutschen Jäger, Constantin Baron Heereman von Zuydtwyck (auch ehemaliger langjähriger Bauernpräsident), als er sich in ein eingezäuntes Wildgehege einladen ließ, wo es so viele Wildschweine gibt, dass sie ganzjährig gefüttert werden müssen – sozusagen ein Zoo für Wildschweine. Hier brauchten der Freiherr und seine Kumpanen nur noch um sich zu schießen. Man tötete an zwei Tagen im Herbst 1998 über hundert der handzahmen Tiere.

"Eine gewisse Seltenheit des Wildes ist für das Jagen wesentlich." – José Ortega y Gasset, Meditationen über die Jagd
(Allerdings schrieb er auch: "die grundlegende Aufgabe bei allem Jagen: zu erreichen, daß Wild da ist.")

 


"Helfendes Eingreifen"

"So habe ich ein mit 9-mm-Geschoß und 3 g Blättchenpulver waidwund geschossenes Rotwildkalb, das sich im Flüchten nach und nach das ganze kleine Gescheide, worauf es getreten, aus dem Leib gezerrt hatte, erst nach 3/4 Stunden vor dem Hund totgeschossen. Das Gescheide lag in Stücken weithin in der Fährte." – Raesfeld/Frevert, Das Deutsche Waidwerk, S. 396

Für Leser, die das Jägerlatein nicht verstehen, hier die deutsche Fassung: Ein Jäger verpasst einem Rotwildkalb einen Bauchschuss. Der Darm tritt aus. Vor Schmerzen gepeinigt und in höchster Todesangst flieht das Tier. Es beginnt eine dreiviertelstündige Hetzjagd. Der Darm tritt weiter aus. Er wickelt sich um die Beine des Tieres. Das Tier reißt sich selbst den ganzen Darm heraus. Der Darm zerreißt in Stücke. Die Stücke säumen seinen Fluchtweg. Am Ende klopft sich der Jäger dafür auf die Schulter, dass er das Tier von "seinen" Leiden erlöst hat.

P.S. Es gibt auch andere Jäger. Sogar der Kreisjägermeister des Kreises Celle hat die Hege, d. h. Fütterung, "in Teilen des Kreisgebietes" als "zooähnliche Wildtierhaltung" gebrandmarkt (CZ, 4. März 2002). Ob dem wohl Taten folgen werden, wenn er gleichzeitig sagt: "Wir können froh darüber sein", dass der Kreis Celle "einer der bedeutendsten Rotwildlebensräume in Deutschland ist"? Drei Jahre später beklagt er auf der Trophäenschau 2005, "dass es nicht genug alte Hirsche gebe" (CZ 8. März 2005), also Hirsche mit größtmöglichem Geweih.

Auch einigen anderen Jägern ist die Wildmästerei ihrer Kameraden peinlich. Im Heft 3/2000 der Pirsch heißt es, durch die Fütterung werde die Jagd auf das Niveau von Kaninchenzüchten gebracht. (Das gilt unter Jägern als Beleidigung, da es ein Hobby armer Leute ist.) Man erfährt interessante Details: In Teilen des Sauerlandes hätten sich die Wildschweine versechzigfacht. Sie würden Nester von bodenbrütenden Vögeln (z. B. Auerwild) plündern und fräßen sogar Rehkitze. Jäger würden u. a. folgende technische Hilfsmittel einsetzen: Nachtsichtgeräte, Wilduhren, Thermobilder, Kanzelmonitore, Vibrationsmelder – also alle die Hilfsmittel, die im Anzeigenteil derselben Zeitschrift zum Kauf angeboten werden (Kostprobe: "Schlafen Sie gelegentlich beim Nacht-Ansitz ein? Der Wild-Sensor wacht für Sie!"). Als Futter werde sogar Tiermehl eingesetzt. Im Winter 2000/2001 wurde der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass das in ganz Deutschland üblich war. Das steht im lustigen Gegensatz zur gängigen Jägerpropaganda, die Wildfleisch als "Bio von Natur aus" anpreist: "Wildtiere ernähren sich ausschließlich vom Nahrungsangebot der Natur. Im intakten Naturkreislauf gelangen keine schädlichen Fremdstoffe in das Fleisch." (Niedersächsische Landesforstverwaltung) Die Wahrheit ist: Wildfleisch ist von allen Lebensmitteln tierischer Herkunft am stärksten mit "Umweltkontaminanten" vergiftet (Ernährungs- und agrarpolitischer Bericht der Bundesregierung 2004), und 24 Jahre nach dem GAU von Tschernobyl sind "viele Wildproben radioaktiv belastet". Für verseuchte Wildschweine erhielten Jäger und Jagdrechtsinhaber im Jahr 2009 424.650 Euro Entschädigung vom Staat (Tagesschau.de, 7. Aug. 2010).

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Fortsetzung:




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http://eti-veth.de/antijagd.htm
2010-08-28